Familie-Reinhardt-Platz – Ort der Erinnerung

Stadt Karlsruhe, Paula Liebig

Hinter uns liegt ein langer Weg zur Anerkennung der Verbrechen an den Karlsruher Sinti und Roma. Über 80 Jahre nach ihrer Deportation und Ermordung und zehn Jahre nach Beginn des Engagements der Gesellschaft für bedrohte Völker und der Karlsruher Grünen hat sich der Gemeinderat am 23.06.2026 endlich für einen Ort der Besinnung und der Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung Karlsruher Sinti und Roma entschieden.

Das Dörfle – Zuhause Karlsruher Sinti und Roma

Die Lage des Platzes an der Kapellenstraße stellt den räumlichen Bezug zum Dörfle her. Hier lebten während des Nationalsozialismus marginalisierte und diskriminierte Einwohner*innen unserer Stadt unter beengten Verhältnissen, bevor sie vollkommen ihrer Menschenwürde und ihres Lebens beraubt wurden.

Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten

Die Familie Reinhardt steht stellvertretend für alle verfolgten und ermordeten Karlsruher Sinti und Roma. Ihr gehörten die Eltern Karl und Katharina Reinhardt sowie deren Kinder Anton, Georg, Johann, Veronika und Josef an. Der Vater war als Instrumentenmacher, Musiker und Hilfsarbeiter tätig. Die meisten Mitglieder der Familie wurden aus Karlsruhe aufgrund des Auschwitz-Erlasses von SS-Reichsführer Heinrich Himmler deportiert. Von den sieben Mitgliedern der Familie starben Vater Karl, die Söhne Georg, Johann und Anton Reinhardt. Mit Anton wurden im KZ Auschwitz seine Ehefrau Mathilde, seine dreijährige Tochter Veronika, sein einjähriger Sohn Karl und wahrscheinlich auch sein neugeborenes Kind umgebracht.

Die überlebenden Familienmitglieder kehrten nach Karlsruhe, in ihre Heimatstadt und ins Dörfle zurück. Zu ihnen gehörten Katharina Reinhardt (verstorben am 05.08.1972 in Karlsruhe) und ihre beiden Kinder Veronika (verstorben am 09.02.1985 in Karlsruhe) und Josef Reinhardt (verstorben am 13.04.2002 in Karlsruhe).

Gedenken und Anerkennung des Leids Karlsruher Sinti und Roma

Für ihre Nachkommen und alle anderen Sinti und Roma wünsche ich mir, dass sie einen Ort der Ruhe und Würdigung ihrer verlorenen Angehörigen auf dem Familie-Reinhardt-Platz finden. Ich wünsche mir, dass die 70-jährige Karlsruher Sintizza, die mir von ihrer Liebe zu ihrer Stadt erzählte, hier erfährt, dass die Zuneigung erwidert wird.

Dieser Ort soll aber auch all denjenigen Karlsruher*innen, Neuzugezogenen und Gästen dienen, für die Information, Gedenken und Würdigung des im Nationalsozialismus erlittenen Unrechts von Bedeutung sind und denen Erinnerungsorte als Zeichen des Engagements gegen die Naziverbrechen Hoffnung und Frieden und wie einem jüdischen Freund ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Aufenthaltsqualität entwickeln und Gedenken mit Leben füllen

Noch ist der Platz klein und unscheinbar. Aber er kann Potentiale entfalten und es gibt Ideen, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Hierfür wollen wir uns weiter engagieren. Es wird zukünftig unsere gemeinsame Aufgabe sein, das Gedenken auf dem Familie-Reinhardt-Platz mit Leben zu füllen. Der Platz soll sich im Bewusstsein der Karlsruher*innen verbinden mit den anderen Orten in der Stadt, die an die Folgen von Brutalität und Vernichtung, aber auch an Hoffnung, Mut zum Widerstand und Neuanfang erinnern.

Dr. Susanne Heynen,       
Sprecherin für Erinnerungskultur