Im Entsiegelungskonzept, das der Gemeinderat am 27.01.2026 beschlossen hat, wird in Aussicht gestellt, dass die Stadtverwaltung bereits aktuell bei jedem Bauvorhaben im öffentlichen Raum Entsiegelungsmöglichkeiten und Baumstandorte prüft; das Entsiegelungskonzept soll dazu beitragen, solche Entscheidungen zu erleichtern.
Das nehmen wir zum Anlass zu fragen, wie das Konzept bei einzelnen Baustellen umgesetzt wurde und wie die neue Form der Abwägung das Ergebnis beeinflusst hat. Die Fragen beziehen sich beispielhaft auf die folgenden konkreten veröffentlichten Baustellen (Quelle der Baustellen ist mobil.trk.de) sowie auf sich derzeit in Planung befindliche Baumaßnahmen, die noch nicht veröffentlicht wurden:
Innenstadt:
- In der Seminarstraße werden Stromleitungen erneuert (ID 12325301).
- In der Akademiestraße fand Kanalbau statt (ID 12908071).
- Baustelle zur Fernwärmeversorgung in der Herrenstraße (ID 12328762).
Restliche Stadt:
- In der Brunnenhausstraße werden Strom- und Telekommunikationsleitungen verlegt (ID 12424322 und ID 12946054).
- In der Oberwaldstraße zwischen Reichenbach- und Gudrunstraße werden neue Telekommunikations- und Stromleitungen verlegt (ID 12267779 und ID 12238278).
- In der Lessingstraße wird Fernwärme verlegt (ID 12333710).
- In der Uhlandstraße wird Fernwärme verlegt (ID 102318037).
- Inwieweit wurde die Anwendbarkeit der Module S (Sickerflächen), M (Sickerrinnen), L (Staudenbeete) und XL (Baumstandorte) geprüft und was war das Ergebnis? Welche Maßnahmen werden umgesetzt und welche Hinderungsgründe wurden festgestellt?
- Welche der o.g. Maßnahmen wurden vor und welche nach Beschluss des Entsiegelungskonzepts begonnen?
- Geht die Verwaltung auch davon aus, dass die Module S, M und L unabhängig von Leitungen im Untergrund umgesetzt werden können?
- Inwieweit sorgt das Zusammenspiel der Akteur*innen (z. B. Vorhabensträger, Stadtplanungsamt, Tiefbauamt, Netzservice GmbH) für Herausforderungen?
Welche*r Akteur*in ist dafür verantwortlich, die Umsetzbarkeit der Module zu prüfen und ist diese*r rechtzeitig darüber informiert?
Wie ist der Prozess definiert? - Inwieweit gab es allgemein und in den konkreten Fällen Austausch mit Bevölkerung, lokalem Bürgerverein, anderen Vereinen oder Gewerbe für die Übernahme von Patenschaften, um den Pflegeaufwand von neu entsiegelten Flächen für die Stadt minimal zu halten?
Wer ist für diese Ansprache und Zusammenarbeit verantwortlich?
| Sachverhalt / Begründung: |
Karlsruhe wird heißer. Entsiegelung und Begrünung sind zentrale Bausteine, um die Bewohnerinnen und Bewohner besser vor den Folgen zunehmender Hitze zu schützen. Sie verbessern die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, reduzieren die Aufheizung versiegelter Flächen und können dazu beitragen, dass sich Straßenräume und Wohnumfelder am Abend schneller abkühlen. Gerade in dicht bebauten Quartieren ist dies wichtig, damit Wohnungen durch nächtliches Lüften besser abgekühlt werden können.
Gleichzeitig nehmen Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen zu. Auch hier leisten Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen einen wichtigen Beitrag: Sie ermöglichen Versickerung, Rückhalt und Verdunstung von Regenwasser und entlasten damit die bestehende Entwässerungsinfrastruktur. Im Sinne der Schwammstadt können solche Maßnahmen dazu beitragen, die Stadt widerstandsfähiger gegen Klimafolgen zu machen und langfristig auch Kosten zu reduzieren, etwa bei der Dimensionierung und Entlastung der Abwasserinfrastruktur.
Mit dem Entsiegelungskonzept verfügt Karlsruhe bereits über eine fachliche Grundlage, um entsprechende Maßnahmen im öffentlichen Raum systematisch umzusetzen. Dieses Konzept sollte nun zügig in die Anwendung kommen. Gerade in der aktuellen Haushaltslage bietet die Prüfung bei konkret geplanten Baustellen, wie sie auch in der Beschlussvorlage vorgesehen ist, eine gute Möglichkeit, beim Thema Klimaanpassung voranzukommen, ohne zusätzliche Großmaßnahmen auszulösen. Wenn Entsiegelung und Begrünung frühzeitig mitgedacht werden, können sie laut Information aus dem Entsiegelungskonzept sogar kostengünstiger sein als eine bestandsnahe Wiederherstellung versiegelter Flächen.
Mit einzelnen positiven Beispielen, etwa in der Scheffelstraße, zeigt Karlsruhe bereits, dass solche Lösungen möglich sind. Zugleich entsteht jedoch der Eindruck, dass das Thema im Zusammenspiel der beteiligten Akteur*innen noch zu häufig untergeht. Dies gilt insbesondere bei größeren Baustellen, etwa im Zusammenhang mit Fernwärmeleitungen, bei denen umfangreiche Flächen geöffnet und anschließend überwiegend wieder im bisherigen Zustand hergestellt werden.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, Entsiegelung und Begrünung bei allen geeigneten Baustellen im öffentlichen Raum verbindlich mitzudenken. Ziel muss sein, die ohnehin stattfindenden Eingriffe konsequent für mehr Klimaanpassung, Schwammstadt und Aufenthaltsqualität zu nutzen.
