Mitte Juni war es soweit: am 18.6. traf eine Hitzewelle Deutschland – vielleicht kann man sie sich eher als Hitzeglocke vorstellen, denn sie bewegte sich für zehn Tage kaum von der Stelle. In der gesamten Bundesrepublik führte sie statistisch laut Robert-Koch-Institut zu einer Übersterblichkeit von 5.100 Menschen.
In der Kommunalpolitik ist es unsere Aufgabe, die Bürgerinnen und Bürger möglichst gegen die Folgen der Hitze zu schützen. Wir Grünen setzen uns bereits seit Jahrzehnten dafür ein: Schon 2011 hat die damalige Fraktion unter der Fraktionsvorsitzenden Bettina Lisbach ein Entsiegelungskonzept für die Innenstadt beantragt. Im Januar 2026 wurde ein solches Konzept dann endlich beschlossen.
Entsiegelungskonzept umsetzen!
Das Konzept sieht die Anlage von Grün in unterschiedlichen Gestaltungsformen vor: von klein bis groß, d. h. von Rasengittersteinen bis zu Versickerungsmulden mit neuen Bäumen.
Damit die Verwaltung hier etwas Anschub bekommt, haben wir Grünen in den Haushaltsverhandlungen im Winter 2025 einen Antrag gestellt, bei Straßensanierungen grundsätzlich immer Entsiegelungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Leider fand dieser Antrag im Gemeinderat keine Mehrheit.
Das Entsiegelungskonzept besagt ebenfalls, dass die Stadtverwaltung bereits aktuell bei jedem Bauvorhaben Entsiegelungsmöglichkeiten und Baumstandorte prüft. Wir haben uns daraufhin bei den derzeitigen Baustellen umgesehen und nehmen die Stadtverwaltung beim Wort: Deshalb haben wir angefragt, inwieweit diesem Gedanken bei einigen konkreten Baustellen Rechnung getragen wird und wie entsprechende Prozesse aufgesetzt werden. Eine Antwort erwarten wir für die Gemeinderatssitzung im September.
Auch die kürzlich beschlossene Grünsatzung und deren Ausweitung auf die gesamte Stadt gehen auf Initiativen der grünen Gemeinderatsfraktion zurück: denn Entsiegelung ist nur wirksam, wenn sie sich nicht auf den öffentlichen Raum beschränkt, sondern auch Privateigentümer*innen mit in die Pflicht nimmt.
Was tun bei akuter Hitze?
Neben präventiven Maßnahmen wie Begrünung von Flächen und Fassaden braucht es aber auch Strategien zum Schutz der Bevölkerung im Akutfall. Hier hat die Stadt reagiert und 2025 den Hitzeaktionsplan beschlossen. Er enthält eine Übersicht zu Sofortmaßnahmen durch die Stadt, aber auch Möglichkeiten, wie die Menschen sich selber schützen können, z.B. indem sie sich über den Stadtplan für heiße Tage über Möglichkeiten informieren, wo es Trinkbrunnen gibt und wo kühle Orte zu finden sind. Und nicht zuletzt, wie man sich durch Nachbarschaftshilfe gegenseitig helfen kann.
Auch in städtischen Gebäuden, wie Schulen und Kitas muss im Akutfall dafür Sorge getragen werden, dass keine gesundheitsgefährdenden Temperaturen erreicht werden. Deshalb hat die Grüne Fraktion einen Antrag gestellt, zu prüfen, in welchen öffentlichen Gebäuden Verschattung installiert werden kann und wo im Bedarfsfall ergänzend Klimaanlagen eingebaut werden sollten.
Uns ist bewusst, das ist alles noch nicht genug – aber wir Grünen bleiben dran; und Städte wie Paris, Brüssel oder auch Berlin machen uns, vor wie es geht.
Dr. Sonja Klingert; Sprecherin für Klimaanpassung und Stadtgrün
