Ganztagsschulen: Für mehr Bildungsgerechtigkeit

Bild: Shutterstock

Beitrag für die Stadtzeitung von Dr. Iris Sardarabady

Ab dem Schuljahr 2026/27 haben alle Grundschulkinder in Deutschland einen Anspruch auf ganztägige Förderung. Dies ist ein bildungspolitischer Meilenstein – und eine gewaltige Herausforderung für Kommunen wie Karlsruhe.

Der Ausbau von Ganztagsschulen ist weit mehr als nur ein erweitertes Betreuungsangebot. Er ist ein zentraler Baustein grüner Bildungs- und Familienpolitik und der Schlüssel zu einer gerechteren Gesellschaft.

Mehr als nur Betreuung: Ein echter Paradigmenwechsel

Der Ganztag erlaubt eine individuellere und intensivere Förderung, die endlich den längst überfälligen Schritt ermöglicht:  Bildungserfolg und Zukunftschancen von familiärer Herkunft zu entkoppeln.

Gleichzeitig verbessert sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie soziale Teilhabe und Inklusion.

Erfreulich: Der Karlsruher Gemeinderat hat eine Entscheidung für eine zukunftsfähige und sozial gerechte Ausgestaltung des Rechtsanspruchs getroffen.

Damit ist der Weg frei für strategische Planung und aktives Gestalten. Jetzt geht es darum, Schritt für Schritt auf das Ziel einer qualitativ hochwertigen Ganztagsbetreuung zuzugehen.

In den vergangenen Monaten waren alle relevanten Akteur*innen – von Fachkräften bis zum Gesamtelternbeirat – in einen intensiven Beteiligungsprozess eingebunden. Dabei ging es auch um den Abbau der Horte ab dem Schuljahr 2028/29.

Die Entscheidung gegen die Beibehaltung der Hortstruktur fiel nicht leicht, ist aber bildungspolitisch richtig: Die Horte als öffentlich finanzierte Doppelstruktur neben dem Ganztag zu erhalten, würde immense Mehrkosten verursachen und dringend benötigtes Personal an der falschen Stelle binden.

Vor allem aber würde es bildungspolitischen Stillstand bedeuten. Die jetzige gute Betreuungssituation für wenige Kinder würde zementiert, der dringend benötigte Paradigmenwechsel zu mehr Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder ausgebremst.

Niemand macht sich Illusionen: Heute können wir noch nicht überall den qualitativ hochwertigen Ganztag anbieten, den wir uns für alle Kinder wünschen. Es wird sich um einen schrittweisen Prozess handeln, der Übergangsmaßnahmen erfordert.

Positiv ist, dass es funktionierende Strukturen gibt, die das Fundament für den weiteren Ausbau bilden:  21 von 44 Karlsruher Grundschulen sind bereits rechtsanspruchserfüllend. 

Die größte Hürde liegt aktuell nicht in Karlsruhe, sondern in Stuttgart: Die konkrete Ausgestaltung der Förderung durch das Land steht noch aus. Ohne eine auskömmliche Finanzierung wäre das ambitionierte Vorhaben, ein hochwertiges Ganztagsange-bot zu schaffen, zum Scheitern verurteilt. Die Landesregierung ist gefordert, den Kommunen bei dieser Mammutaufgabe unter die Arme zu greifen.

Fazit: Investition in die Zukunft unserer Kinder

Der Ausbau der Ganztagsschulen ist eine Investition in eine gerechtere Gesellschaft. Wenn es gelingt, allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Bildungschancen zu eröffnen, profitieren wir alle davon.

Der Weg ist steinig. Doch mit der richtigen Finanzierung, kontinuierlicher Evaluation und dem Mut zu notwendigen Veränderungen kann Karlsruhe zum Vorbild für eine erfolgreiche Ganztagsoffensive werden.

Dr. Iris Sardarabady, bildungspolitische Sprecherin