von Stadtrat Benjamin Bauer
In der Gemeinderatssitzung am 29.07.2025 wurde unter TOP 14 Die Neukonzeption SKiBB für die Schulkindbetreuung in Ganztagesgrundschulen beschlossen.
Zur Verwaltungsvorlage lagen zwei Änderungsanträge vor, die unter anderem einen weiteren Fortbestand der Karlsruher Doppelstruktur aus Horten und modularer Betreuung verlangten.
Hier die grüne Positionierung zu den Änderungsanträgen im Redebeitrag von Benjamin Bauer:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleg*innen der CDU-Fraktion,
der Kurs, den sie heute mit Ihren beiden Initiativen einschlagen, hat sich ja bereits seit langem angekündigt. Im Wahlkampf sind Sie letztes Jahr ganz nach vorne geritten mit dem eisernen Versprechen, den Abbau der Horte in Karlsruhe zu verhindern. Heute müssen Sie dieses Versprechen nun aber mit einer seltsam überstürzten Hals- über Kopf-Aktion über Nacht mit zwei Änderungsanträgen einlösen. Das wirkt alles nicht sehr planvoll und zielstrebig.
Die fehlende Strategie bei diesem Vorgehen erkennt man schon ganz gut an der Widersprüchlichkeit der beiden vorliegenden Anträge: Auf der einen Seite fordern Sie die Stadtverwaltung auf, den Ausbau der Ganztagsstrukturen zu „forcieren“ – in anderen Worten „Prioritäten zu setzen“ – nur um dann besagte Stadtverwaltung in einem zweiten Änderungsantrag damit zu beauftragen, genau das Gegenteil zu tun: Sie wollen die Horte als Doppelstruktur neben dem schulischen Ganztag erhalten und gleich zwei städtische Ämter mit der Verwaltung dieser Doppelstruktur beschäftigen.
Das ist das Gegenteil von strategischer Planung. Das ist vor allem teurer und personalintensiver bildungspolitischer Stillstand – der im Übrigen überhaupt nicht zu mehr Bildungsgerechtigkeit beiträgt. Es werden auch keine Kinder über Nacht aus dem Hort geschmissen, wie hier suggeriert wird. Sie werden jahrgangsweise Schritt für Schritt in das neue Schulkind-Betreuungs- und Bildungssystem SKiBB überführt.
Umso bemerkenswerter ist es, dass Sie zur Begründung Ihres Antrags ausgerechnet die klamme Haushaltslage der Stadt zitieren – wo der Weiterbetrieb der Horte doch im Gegenteil absehbar immense Mehrkosten im städtischen Haushalt auslösen würde. Vielleicht kamen die Anträge ja auch deshalb so kurzfristig, weil die Ihnen sehr verbundene Finanzdezernentin bis zum Schluss vergeblich den Versuch unternommen hat, Ihnen angesichts der dramatischen Haushaltslage diesen vorgezogenen Haushaltsantrag noch auszureden?
Des Weiteren beklagen Sie in Ihrem Antragstext die „fehlenden personellen und finanziellen Voraussetzungen“ bei der Umsetzung des Ganztagsangebots. Mit Ihrem Vorstoß sorgen Sie doch aber selbst dafür, dass genau diese Ressourcen für den so nötigen Ausbau fehlen, weil wir sie weiterhin für die Hortbetreuung binden würden.
Die größte Tragik ist jedoch, dass Sie so nah dran waren an einer wirklich unterstützungswerten Initiative. Sie weisen völlig zurecht auf das bisher größte Versäumnis bei der Ausgestaltung des schulischen Ganztags hin, der auch bei den Eltern massive Vorbehalte auslöst: die sehr ausbaufähige Koordination im Tandem zwischen Lehrkraft und pädagogischen Fachkräften, welche die Qualität bisher so maßgeblich beeinträchtigt. DAS ist eine der großen Aufgabe, die wir zusammen mit der Landesseite angehen müssen. Lassen Sie uns doch daran gemeinsam arbeiten, um ein qualitativ hochwertiges Ganztagesangebot zu schaffen, das alle Beteiligten überzeugt.
Aber wenn Ihre Devise lautet: „Lieber eine Vollbremsung auf der Startbahn hinlegen und mit zwei Systemen weiterwurschteln, als jetzt loslegen und die offenen Baustellen systematisch angehen“ – dann müssen Sie diesen bildungspolitischen Irrweg leider ohne uns gehen.
