Rede zu Neukonzeption SKiBB für die Schulkindbetreuung in Ganztagesgrundschulen

von Stadträtin Dr. Iris Sardarabady

In der Gemeinderatssitzung am 29.07.2025 wurde unter TOP 14 die Neukonzeption SKiBB für die Schulkindbetreuung in Ganztagesgrundschulen beschlossen.
Zur Verwaltungsvorlage lagen zwei Änderungsanträge vor, die unter anderem einen weiteren Fortbestand der Karlsruher Doppelstruktur aus Horten und modularer Betreuung verlangten.

Hier die grüne Positionierung im Redebeitrag von Dr. Iris Sardarabady:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

liebe Kolleg*innen,

wir freuen uns, dass wir mit der Umsetzung des bundesweiten Rechtsanspruchs nun konsequent vorangehen.

Es geht um die zentrale Weichenstellung für ein zukunftsweisendes und qualitativ hochwertiges Bildungs- und Betreuungssystem von Schulkindern.

Die Ganztagsbetreuung ist aber mehr als ein Betreuungssystem. Sie ist Voraussetzung für bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sie steht aber auch für mehr soziale Teilhabe und Inklusion.

Und – sie ist der Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit! Durch die individuellere und intensivere Förderung kann Bildungserfolg so – längst überfällig – besser von familiärer Herkunft entkoppelt werden. Herkunft darf nicht über Zukunftschancen von Kindern entscheiden!

Heute wird es darum gehen, eine Grundsatzentscheidung für das Schulkind- Bildungs- und Betreuungssystem SKiBB zu fällen, die im Einklang mit den bildungs-, familien- und integrationspolitischen Zielen der Stadt steht.

Wir sind davon überzeugt, dass die vorgeschlagene Variante 1 in der aktuell äußerst angespannten Haushaltslage einen guten Kompromiss zwischen dem pädagogischen Qualitätsanspruch und den Kosten bietet. 

Angesichts der Komplexität der Aufgabe ist es offensichtlich, dass es sich um einen sukzessiven, mehrstufigen und langfristigen Prozess handeln wird, der bis zur vollständigen Umsetzung Übergangsmaßnahmen und kontinuierliche Evaluation erfordern wird.

Auf dem Weg zur heutigen Entscheidung wurden alle relevanten Akteur*innen wie Fachkräfte und Gesamtelternbeirat intensiv beteiligt. Viele offene Fragen wie zur zukünftigen Infrastruktur, Räume und Personal wurden geklärt. Die Verwaltung hat überzeugend aufgezeigt, dass es trotz des bestehenden Handlungsbedarfs bereits rechtsanspruchserfüllende Strukturen gibt, auf die wir aufbauen können. Wir müssen jetzt aber im Hinblick auf die Zielperspektive „Ganztag mit hohen Qualitätsstandards“ unbedingt weitergehen, Schritt für Schritt. 

Die größte Herausforderung ist aktuell die ungeklärte finanzielle Förderung durch Landesmittel. Ohne eine ausreichende Finanzierung ist das ambitionierte Vorhaben zum Scheitern verurteilt!

Wir stehen hier in einer besonderen Verantwortung: Im Hinblick auf mehr Chancengerechtigkeit muss das Versprechen auf eine qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung für alle Kinder gelten!

Im Gegensatz zur CDU sehen wir deshalb tatsächlich die Not, die mit öffentlichen Mitteln finanzierte Doppelstruktur von Hort und Ganztagsgrund schulen abzuschaffen. Ansonsten würden wir damit die jetzige Betreuungssituation zementieren:  mit dem Hortals exklusives Zusatzangebot für wenige Kinder bei einem hohen Einsatz an Personal. Den dringend benötigten Paradigmenwechsel zu mehr Bildungsgerechtigkeit würden wir damit ausbremsen.

Auch den weiteren Änderungsantrag lehnen wir ab. Wie bereits gesagt, gehen wir davon aus, dass wir bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs schon auf einem guten Weg sind und dass die Verwaltung hier sehr gute Arbeit geleistet hat.

Angesichts offener Fragen auf dem Ist-Zustand zu verharren, hieße Stagnation! Für ein aktives Gestalten-Können und eine strategische Weiterentwicklung brauchen wir jetzt die verbindliche Festlegung auf eine Zielvariante.  

Wir stimmen der unveränderten Beschlussvorlage und Variante 1 zu.