- Die Stadtverwaltung führt eine aktualisierte Elternbefragung durch, um die Bedarfe der Karlsruher Familien im Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung zielgerichteter zu erfassen.
a) Die bisherigen zugrundeliegenden Planungsgebiete werden im Vorfeld auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst.
b) Bei der neuen Elternbefragung werden zusätzliche Informationen erhoben, die Einfluss auf die städtische Bedarfsplanung haben könnten – z.B. der Einfluss von zunehmenden Home-Office-Möglichkeiten, Gründe für die Nichtinanspruchnahme von Betreuungsplätzen, steigende Bedarfe durch sich verschlechternde wirtschaftliche Bedingungen in Familien oder das Vorhandensein besonderer Unterstützungsbedarfe.
c) Die Verwaltung erarbeitet ein Konzept, um eine möglichst breite und repräsentative Datenbasis für die Teilnahme an der Befragung zu gewinnen. Die Teilnahme soll für Familien aller Milieus möglichst niedrigschwellig möglich sein.
d) Die Ergebnisse der Umfrage werden im Transparenzportal der Stadt veröffentlicht. - Die Befragung wird künftig mindestens alle drei Jahre neu erhoben, um auf veränderte Bedarfssituationen und -trends schneller reagieren zu können. Alternativ kann auch eine fortwährende Erhebung der Daten in Form eines automatisierten Anschreibens aller Eltern mit Kindern eines entsprechenden Alters erfolgen.
- Neben den Umfrageergebnissen werden künftig alle relevanten Daten zur Kita-Bedarfssituation (planungsgebietsscharfe Versorgungsquoten, Projekte in der Bedarfsplanung etc.) fortlaufend im städtischen Open Data Dashboard (Transparenzportal) veröffentlicht sowie anschaulich und maschinenlesbar aufbereitet.
- Die neu hinzugefügten Daten werden mit den bestehenden Datensätzen im städtischen Kitaportal verknüpft.
- Die Sozial- und Jugendbehörde erarbeitet ein Konzept, wie künftig weitere Handlungsfelder, in denen sozialräumliche Bedarfe erhoben und analysiert werden, in Form von Open Data Dashboards miteinander verknüpft und transparent für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden können. Die Verwaltung berichtet dazu im Sozial- und Jugendhilfeausschuss.
Begründung/Sachverhalt
Aufgrund der anhaltenden Versorgungsknappheit (Gesamtfehlbedarf an Kitaplätzen für Kinder U3 und Ü3: 1.136 Plätze im Jahr 2022) besteht am Ausbau von Kitaplätzen in unserer Stadt ein großes öffentliches Interesse. Wie zuletzt bei der Forderung des Wettersbacher Ortschaftsrates zur zeitnahen Einrichtung einer Naturkita leiten sich aus diesem Missverhältnis zwischen Platzangebot und Nachfrage von Familien in den einzelnen Stadtteilen politische Handlungsaufforderungen an Stadtverwaltung und Stadtpolitik ab. Um diesem großen Interesse der Öffentlichkeit gerecht zu werden, braucht es zum einen eine bedarfsgerechtere Steuerung bei der Aufnahme neuer Projekte in die städtische Kita-Bedarfsplanung, zum anderen aber eine intensivere Kommunikation zwischen Stadtverwaltung, Politik und Familien in Karlsruhe.
Den Ausgangspunkt für die Erfassung der Bedarfssituation durch die Stadtverwaltung stellt eine Elternbefragung aus dem Jahr 2012 dar. Seither haben sich die Gesellschaft, die Arbeitswelt und damit die Bedarfe in den Familien dynamisch weiterentwickelt. Durch sich verschlechternde wirtschaftliche Situationen von Familien im Zuge verschiedener Krisen, durch ein verändertes Mobilitätsverhalten oder durch das Vorhandensein erhöhter Unterstützungsbedarfe können sich die Wünsche der Familien in Bezug auf frühkindliche Bildung und Betreuung verändert haben. Auch die Bedarfe an zusätzlichen Förderangeboten, wie zum Beispiel Sprachförderung, haben sich seit der letzten Bedarfsabfrage verändert. Die Bedarfe könnten so vor allem in Hinblick auf den gewünschten Ort oder den Betreuungsumfang heute nicht mehr die gleichen sein wie vor dreizehn Jahren. Eine aktualisierte Elternbefragung sowie eine Überprüfung der bisherigen Planungsgebiete für den Kitaausbau sehen wir daher als ersten Schritt, um die tatsächlichen Bedarfe von Familien bei der Neuplanung oder Erweiterung von Kitas künftig noch besser abzubilden.
Außerdem halten wir es für sinnvoll, die Bedarfe der Eltern künftig in kürzeren Abständen oder wenn möglich sogar kontinuierlich abzufragen. Durch digitalisierte Verfahren oder automatisierte Anschreiben kann dies durch die Stadtverwaltung künftig in größerer Regelmäßig erfolgen. Ziel muss dabei indes auch sein, eine möglichst repräsentative Datenbasis zu erlangen, was eine besonders niedrigschwellige Ansprache von Familien aller Milieus erfordert.
Der mitunter große Frust bei Familien aufgrund von Fehlbedarfen bei der Platzvergabe kann durch eine angepasste Kommunikationsstrategie seitens der Stadtverwaltung nicht aufgehoben werden. Dennoch können ein höheres Maß an Transparenz und eine intensivere Kommunikation mit Eltern und Stadtpolitik einen großen Mehrwert darstellen. Die letzte umfangreichere Veröffentlichung der Bedarfssituation erfolgte 2022 mit dem städtischen Kita-Bericht, davor im Jahr 2017. Durch eine jeweils aktuelle stadtweite Übersicht zu Fehlbedarfen, daraus abgeleiteten Priorisierungen von Kita-Projekten in der Bedarfsplanung oder zum Umsetzungsstand bereits geplanter Kita-Projekte werden die Entscheidungen von Politik und Verwaltung für Eltern nachvollziehbarer. Außerdem bietet sich den politischen Entscheidungsträger*innen somit ebenfalls eine bessere Entscheidungsgrundlage für die künftige Projektplanung.
Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sollen künftig alle relevanten Daten in Bezug auf die Kita-Bedarfsplanung in Karlsruhe für die Bevölkerung einsehbar im städtischen Transparenzportal veröffentlicht werden. Dafür eignen sich sogenannte Dashboards, die komplexe Datensätze visuell ansprechend und leicht verständlich präsentieren können. Über die Transparenz für Eltern hinaus kann die Veröffentlichung und Verknüpfung verschiedener Datensätze dieser Art auch aus anderen Bereichen für Forschende oder die Sozial- und Jugendbehörde selbst neue Erkenntnisse über sozialraumbezogene Bedarfe in Karlsruhe zu Tage bringen. Mit dem Beschluss der städtischen Digitalstrategie hat der Gemeinderat im Jahr 2023 bereits die nötige Grundsatzentscheidung für den Aufbau eines professionellen strategischen Datenmanagements sowie der Etablierung einer Open Data Kultur in allen städtischen Ämtern getroffen. Der vorliegende Antrag kann einen kleinen Schritt in Richtung der Umsetzung dieser Beschlusslage darstellen.
Unterzeichnet von:
Benjamin Bauer, Dr. Iris Sardarabady, Verena Anlauf, Jorinda Fahringer, Ivo Dujmović
Der Antrag wurde am 25. Juni 2025 im Jugendhilfeausschuss beraten. Leider haben wir zu unserem Antrag eine ablehnende Stellungnahme der Stadtverwaltung erhalten, da diese die bestehende Planungs- und Informationsprozesse als ausreichend ansieht. Eine aktuelle Elternumfrage wurde als entbehrlich abgelehnt, jedoch ist diese aus unserer Sicht wichtig, da die Datenanalyse zur Kita-Bedarfsplanung auf Daten aus dem Jahr 2012 basiert. Seither hat sich die Arbeits- und Lebenswelt von Familien jedoch stark geändert. Wir bleiben an dem Thema dran. Auch für die Veröffentlichung der Umfrage auf dem Transparenzportal der Stadt werden wir uns weiter einsetzen.
