Beitrag für die Stadtzeitung von Jorinda Fahringer

Ob in subtiler Form durch frauenfeindliche Sprache, Demütigungen oder in der direkten Form durch Schläge, Vergewaltigung: Gewalt hat viele Gesichter, besonders trifft sie Frauen. Deshalb erklärte die UNO 1999 den 25. November zum Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.
Karlsruhe hat ein funktionierendes Hilfesystem mit verschiedenen Beratungsstellen, Frauenhäusern und Unterstützungsangeboten für Betroffene von Gewalt. Auch Täter*innen finden Ansprechstellen und Präventionsangebote. Vielen Dank an die zahlreichen (ehrenamtlichen) Akteur*innen in diesem Bereich!
Orange the World
Zahlreiche Initiativen beteiligen sich im Rahmen der „Orange Days“ an der Kampagne der Vereinten Nationen „Orange the World“. Vom 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte ist es dabei Ziel, auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen.
Jede vierte Frau!
Viel zu oft ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort für Frauen: Die Täter sind in den meisten Fällen Teil des Familien- oder Bekanntenkreises und männlich. In Deutschland wurde jede vierte Frau schon einmal Opfer von Gewalt in ihrer Partnerschaft. Eine von drei Frauen ist mindestens einmal im Leben von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen. Zwei von drei Frauen erleben sexuelle Belästigung. Auch in Baden-Württemberg. Auch in Karlsruhe.
„Istanbul Konvention“
Seit 2018 ist in Deutschland die „Istanbul Konvention“, das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, in Kraft. Der völkerrechtliche Vertrag bezeichnet in aller Deutlichkeit die Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung und verpflichtet den Staat, Frauen vor Gewalt zu schützen und im Falle von Gewalterfahrung ausreichend Unterstützungsangebote in Form von Fachberatungsstellen und Schutzhäusern zu bieten. Neben dem Bund und den Ländern müssen auch die Kommunen ihrer Aufgabe nachkommen, Frauen ausreichend zu schützen und mit umfassenden Präventionsmaßnahmen die Gewalt gegen Frauen zu stoppen.
Dabei gilt es auch, die vielen von Gewalt in der Partnerschaft direkt und indirekt betroffenen Kinder zu schützen und unterstützen.
Vorreiterin Karlsruhe
Die Stadt Karlsruhe setzt die Konvention in vorbildlicher Weise um. Doch es bleibt unsere Aufgabe, Lücken im Hilfesystem zu schließen und es weiterzuentwickeln. Denn in manchen Bereichen haben wir kein Angebot oder nur unzureichende Unterstützungsmaßnahmen. So bestehen in Karlsruhe beispielsweise Bedarfe in den Bereichen Zwangsheirat und Verstümmelung weiblicher Genitalien. Das hat der zweite Teil der Konzeptausarbeitung in Karlsruhe gezeigt.
Gewaltschutz ist Daueraufgabe
Angesichts hoher Dunkelziffern und teilweise steigender Zahlen gibt es aus unserer Sicht einen dringenden Handlungsbedarf auch bei diesen Gewaltformen. Wir wollen auch betroffene Frauen in traditionellen, streng patriarchalischen Familiensystemen erreichen. Denn Gewalt gegen Frauen muss immer sichtbar gemacht werden und ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Gesamtumsetzung der Istanbul-Konvention auf kommunaler Ebene bleibt unsere Daueraufgabe.
Jorinda Fahringer
Fraktionsvorsitzende
Fraktion GRÜNE
