Neubaustrecke Mannheim-Karlsruhe

Rede von Christian Klinkhardt in der Gemeinderatssitzung 28.04.2026 zu TOP 16

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

zunächst möchte ich positiv hervorheben, dass über alle Beteiligten hinweg eine große Einigkeit wahrnehmbar ist, dass wir den Bau dieser Güterbahnbahnstrecke voranbringen wollen. Die Vorteile des Güterverkehrs auf der Schiene im Vergleich zum LKW in Bezug auf Flächenverbrauch, Lärm, Klima und Umweltschutz sind unbestritten. Zusätzlich ergeben sich durch freiwerdende Kapazitäten auf bestehenden Bahnstrecken große Vorteile für den Personenschienenverkehr in unserer Region. Es ist uns also auch sehr daran gelegen, den ohnehin schon lang gestreckten Plan der Bahn nicht zu verzögern und den Bau voran zu bringen.

Gleichzeitig sind wir uns natürlich der Sorgen in der Bevölkerung und bei den Betrieben bewusst und nehmen diese ernst. Durch die Vorzugvariante wird es jetzt Stück für Stück greifbarer, was auf die Anlieger*innen zukommt. Ich selbst war auf einem durch die Bürgervereine organisierten Termin und habe die Stimme von vor Ort mitgenommen. Aus diesem Grund war es uns auch wichtig, mit der interfraktionellen Resolution das Thema jetzt in den Gemeinderat und in die Öffentlichkeit zu bringen und zusammen mit der Bevölkerung, den Bürgervereinen und der Verwaltung den Karlsruher Themen Gehör zu verschaffen.

Wir sind gerade in der schwierigen Zeit, in der die Variante immer konkreter wird und viele Betroffenheiten erkennbar werden, beim aktuellen Planungsstand aber noch keine exakte Lage der Trasse und der Baustellen feststeht und somit auch noch nicht abschließend klar ist, wer wirklich in welchem Ausmaß betroffen ist und welcher Ausgleich dafür angeboten werden soll.

Gleichzeitig gibt es die Forderung eines Tunnels, der vermeintlich alle Probleme lösen könnte. Auch ein solcher Tunnel bringt aber einen massiven ökologischen Eingriff mit sich, verbraucht Fläche und er würde wohl deutlich mehr kosten. Und das in einer Situation, in der bei der Bahn nicht einmal die Sanierung des bestehenden Netzes ausreichend finanziert ist.

Wir fordern von der Bahn in dieser Situation unverzüglich Transparenz und Nachvollziehbarkeit herzustellen und unter Berücksichtigung der Karlsruher Belange eine Abwägung zwischen Tunnel und jetzt vorgeschlagener Lösung durchzuführen und öffentlich darzulegen. Zu den Karlsruher Belangen gehört insbesondere auch die Situation an den im Süden anschließenden Bestandsstrecken in Weiherfeld, Bulach und Oberreut, wo neben Lärm auch Erschütterungen und Schließzeiten an Bahnübergängen eine Rolle spielen. Im Zuge der Abwägung muss die Bahn auch darlegen, wie den befürchteten Betroffenheiten bei der von ihr vorgeschlagenen Lösung begegnet werden kann. Beispielsweise könnte der Bundestag eine Sanierung der Bestandsstrecken auf Neubaustandard beschließen, was eine Forderung ist, die wir aus Karlsruhe auf jeden Fall stellen sollten. Neubaustandard bedeutet, dass die Bahn 25m neben der Strecke nicht lauter als ein Kühlschrank sein darf.

Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen und wir versprechen, dass wir uns mit dem nötigen Ernst mit dem Thema auseinandersetzen. Dazu gehört aber auch, dass wir mit Versprechungen vorsichtig sein sollten, die wir am Schluss nicht halten können.