Rede von Ceren Akbaba bei den Haushaltsverhandlungen am 16.12.2025 zu TOP 197
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“ Dieser Satz gilt in unserer Kommune nicht für alle gleichermaßen. Ungleichheiten in Form von Rassismus wirken nicht nur zwischenmenschlich, sie können sich auch in Institutionen fortsetzen: in Bildung, im Zugang zu Arbeit, in Behörden – und manchmal ganz konkret im Alltag, etwa bei einem Arztbesuch.
Wenn wir über die Wochen gegen Rassismus reden, reden wir hier keineswegs über eine kleine Gruppe. Ich bin nicht müde zu wiederholen, dass In Karlsruhe circa 38 % der Menschen mit einer Migrationsgeschichte leben: von der ersten Generation von Einwander*innen, die heute alt ist und beispielsweise Schwierigkeiten hat, einen angemessenen Platz in der Pflege zu finden. Über ihre Kinder, die im Spannungsfeld zwischen Erwartungen und Realität leben, selbst rassistische Anfeindungen erlebt haben oder sich bewusst vorgenommen haben, ihnen etwas entgegenzusetzen. Und wir haben deren Kinder, die sich selbstverständlich als Teil dieser Stadt verstehen. Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen hier sind, Menschen, die wegen Krieg und Vertreibung hier sind, Menschen, die schon immer hier waren und trotzdem als fremd wahrgenommen werden.
Eine facettenreiche, die Soziologie spricht schon länger von einer „superdiversen“ Gesellschaft, die schon längst Töchter und Söhne, Bürger*innen dieser Stadt sind oder auf dem Weg dorthin. Und dennoch zeigt sich: Teilhabe produziert Konflikte, wenn Institutionen nicht mitwachsen. Genau an dieser Stelle setzen die Wochen gegen Rassismus und der Runde Tisch Antirassismus und Antidiskriminierung an. Sie schaffen Sichtbarkeit, bündeln Erfahrung und ermöglichen Lernen – zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft, Expert*innen und Betroffenen.
Wir entscheiden hier nicht über ein Zusatzangebot, sondern über die Frage, welche Gesellschaft wir hinterlassen wollen. Also denken in Futur zwei: wie wollen wir gewesen sein – zueinander und miteinander.
Unser langfristiges Ziel als GRÜNE bleibt, diese Themen in einem „Amt für Vielfalt“ zu bündeln und den intersektionalen Blick zu schärfen. Gerade mit Blick auf den Runden Tisch Antirassismus und Antidiskriminierung müssen selbstverständlich auch Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexuelle Identität, Behinderung oder Alter mitdiskutiert werden.
Doch heute wollen wir interfraktionell für die Verschlankung aber Erhaltung der Wochen gegen Rassismus werben und uns für die Erhaltung des Runden Tisches Antirassismus und Antidiskriminierung aussprechen.
Lassen Sie uns gemeinsam weiter an einer Gesellschaft des Miteinanders arbeiten, in der alle Menschen Platz haben.
Vielen Dank.
