Klimaschutz: Nicht Kür, sondern Pflicht!

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Beitrag für die Stadtzeitung von Dr. Sonja Klingert

Sonja Klingert

Angesichts der Herausforderungen im kommenden Doppelhaushalt könnte man meinen, wir hätten gerade andere Sorgen als den Klimaschutz.

Das ist gefährlich kurzsichtig. Denn die Rechnung ist simpel: Weniger Klimaschutz heute bedeutet drastisch mehr Klimaanpassung morgen – und die wird unbezahlbar.

Allein die versicherten Schäden durch Naturgefahren in Deutschland gehen längst in die Milliarden – Tendenz steigend. Die Sturzflut im Ahrtal 2021 kostete Menschenleben und über 10 Milliarden Euro. Wer jetzt beim Klimaschutz knausert, riskiert morgen den Kollaps.

Deshalb gibt es für Karlsruhe nur einen Weg: konsequenter Klimaschutz, gepaart mit intelligenter Klimaanpassung. Alles andere wäre Verrat an den kommenden Generationen.

Felsenfestes Bekenntnis zur Klimaneutralität 2040!

Das Klimaschutzkonzept der Stadt Karlsruhe ist nicht verhandelbar. Klimaneutralität bis 2040 – das ist unser Versprechen an diese Stadt. Bis 2030 müssen dafür die Treibhausgase um 58% gegenüber 2010 sinken. Punkt.

Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: Zwischen 2010 und 2020 haben wir 24% eingespart, von 2020 bis 2023 weitere 7,5%. Photovoltaik-Programme laufen, immer mehr städtische Gebäude heizen klimaneutral, der Fuhrpark wird elektrisch. Die Stadtwerke gehen erste Schritte, um die Fernwärme bis 2040 zu defossilisieren und planen, die Anschlussquote von 30% auf 50% zu steigern.

Jetzt bloß nicht bremsen!

Der Haushaltsplan der Stadtverwaltung sieht nur noch 15 Millionen Euro jährlich fürs Klimaschutzkonzept vor. Kürzungen sind nur akzeptabel, wenn das Ziel Klimaneutralität 2040 nicht gefährdet wird. Dazu haben wir uns als Stadtgesellschaft verpflichtet.

Effizienz ist das Gebot der Stunde: Aufwändige Gebäudesanierungen zurückstellen, dafür schnell umsetzbare Heizungsanlagen vorziehen. So wird Karlsruhe effizienter klimaneutral.

Gleichzeitig muss der Klima-Turbo in anderen Bereichen erhalten oder beschleunigt werden. Die Wärmewende? Wir Grünen treiben sie massiv voran und sorgen für die nötige Kapitalausstattung bei der Fernwärme. Wir wollen, dass Bürger*innen klar informiert werden, in welchen Stadtgebieten eine Fernwärmeversorgung möglich ist oder welche anderen klimaneutralen Heizungsarten zur Verfügung stehen.

Die Mobilitätswende? Wir bleiben dran: Jede verkehrspolitische Veränderung muss den Ressourcen- und Energieverbrauch reduzieren. Künftig sollen bei allen Planungen sichere und attraktive Wege für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen im Vordergrund stehen.

Klimaanpassung endlich ernst nehmen!

Hitzeaktionsplan, Klimaanpassungskonzept, Entsiegelungskonzept – Karlsruhe ist planerisch vielen Kommunen voraus. Doch bei der Umsetzung hinken wir noch hinterher.

Das zeigt sich auch im Budget: nur 1,1 Millionen Euro für Klimaanpassung. Zu wenig, wenn wir ernsthaft in Entsiegelung investieren und Karlsruhe zur Schwammstadt umgestalten wollen.

Hier muss deutlich mehr passieren – und zwar jetzt. Die Klimakatastrophe wartet nicht auf ausgeglichene Haushalte.

Dr. Sonja Klingert, Sprecherin für Klima- und Energiepolitik