Hebammensprechstunden erhalten – Einsparungen gefährden präventive Gesundheitsversorgung für Schwangere und Neugeborene

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Änderungsantrag zu TOP 5 der Gemeinderatssitzung am 24.06.2025

  1. Die Verwaltung entfernt folgende Sparvorschläge für die zweite Hälfte 2025 aus der Liste der Sparvorschläge: jeweils 50 % von „Frühe Hilfen – Hebammen in Familienzentren“ (30.000 €) und bei den „Begrüßungsgesprächen durch freiberufliche Hebammen“ (40.000 €) als Maßnahmen der haushaltswirtschaftlichen Sperre.
  2. Bei den Begrüßungsgesprächen durch freiberufliche Hebammen können Ersparnisse erzielt werden, indem die umfangreichen Begrüßungsmappen nicht mehr verteilt werden, sondern stattdessen die Informationen anhand eines Infoblattes, mithilfe von Flyern vorgestellt werden und der digitale Weg gezeigt wird.
  3. Der Fehlbetrag nach Punkt 1 zur Aufhebung der haushaltswirtschaftlichen Sperre soll durch eine Verteilung innerhalb des Dezernats 3 erbracht werden.

Begründung/Sachverhalt

Grundidee der Frühen Hilfen ist es, dass alle (werdenden) Eltern das Wissen haben, wo sie in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes Hilfe bekommen. In den ersten Lebensjahren gibt es immer wieder Entwicklungsphasen, die für Familien zu einer großen Belastung werden können. Deshalb ist es wichtig, dass Familien wissen, an wen sie sich wenden können, damit aus (kleinen) Fragen/Belastungen keine großen Probleme (oder sogar Kindeswohlgefährdungen) werden. Solche Herausforderungen und Belastungen können jede Familie treffen unabhängig von Bildungsniveau, finanziellen Ressourcen oder Herkunft. Daher ist diese Primärprävention entscheidend für ein gutes und chancengerechtes Aufwachsen.
Die Beratung und Information durch freiberufliche Hebammen gehört zu den präventiven Maßnahmen mit kleinstem Aufwand im Verhältnis zum Erfolg.

Da es zu wenig Hebammen für eine häusliche Versorgung aller Frauen vor und nach der Geburt gibt, ist die Versorgung mit Hebammen in Einzel- und Gruppensprechstunden eine Alternative, um die mangelnde hebammliche Versorgung immerhin teilweise zu ergänzen.
Eine Fokussierung auf Familien mit besonderen Problemlagen ist nicht möglich und zwingt die Hebammen zu frustrierenden Entscheidungen, die fachlich nicht durchführbar sind. Die Frühen Hilfen einschließlich der Hebammensprechstunden sind für alle gleichermaßen ein Angebot, denn z.B. eine Wochenbettdepression und Überforderung kann jede Mutter treffen.
Die Hebammen und die Mitarbeiterinnen der Frühen Hilfe konstatierten bei einem interfraktionellen Treffen am 19.05.2025, dass sie ihr Angebot nach der Corona-Pandemie wieder bekannt machen konnten, sodass die Annahme inzwischen wieder hoch ist. Dies erforderte ein hohes Engagement. Die Gefahr ist vorhanden, dass es hier wieder einen Bruch gibt.
2024 wurden 900 Familien bei Begrüßungsgesprächen besucht und über die Frühen Hilfen informiert. Es gab 2024 117 telefonische Beratungsgespräche, Tendenz dieses Jahr steigend.
Es besteht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die erfahrenen freiberuflichen Hebammen, die auf verlässliche Honorareinnahmen angewiesen sind, sich anderen Aufgaben zuwenden, wenn die bisherigen Aufgaben um 50 % reduziert werden. Angesichts des Hebammenmangels kann nicht davon ausgegangen werden, dass nach dem geplanten Auslaufen der Einsparung Anfang 2026 wieder nahtlos – vor allem auch mit entsprechend qualifizierten und erfahrenen Hebammen – hochgefahren werden kann. Außerdem ist davon auszugehen, dass die Hebammen damit rechnen, dass die Sparmaßnahme angesichts des Haushaltsdefizits nahtlos weitergeführt werden.
Auf die Begrüßungsmappen könnte verzichtet werden, sofern Familien, die sich digital weniger auskennen und/oder die wenige Informationen über das deutsche Gesundheitssystem haben, beim einmaligen Begrüßungsbesuch gezeigt wird, wie man die Hilfeadressen der Frühen Hilfe und der Hebammensprechstunden findet.

Unterzeichnet von:

Verena Anlauf, Benjamin Bauer, Jorinda Fahringer, Dr. Iris Sardarabady, Ivo Dujmović

Leider haben wir für unseren Antrag in der Gemeinderatsdebatte keine Mehrheit erreichen können.