Tag der Befreiung als Mahnung für die Zukunft

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Beitrag für die Stadtzeitung von Dr. Susanne Heynen

Foto: Samuel Mindermann

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg. In Deutschland, in Europa und weltweit bedeutete dieser Tag die Befreiung vom nationalsozialistischen Terrorregime. Er ist aber auch ein Sinnbild für die deutsche Verantwortung für die Bewältigung der vernichtenden Folgen des menschenverachtenden Unrechtsstaates und den  Wiederaufbau von  zerstörtem Vertrauen zwischen Menschen und Nationen.

Verantwortung für Erinnerung und Gerechtigkeit

Für viele Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft begann ein jahrzehntelanger Kampf um Anerkennung, Sichtbarkeit, Gerechtigkeit und Entschädigung. Diesem nicht nachlassendem Einsatz vieler Menschen ist es zu verdanken, dass sich die deutsche Gesellschaft und Politik ihrer Verantwortung zu stellen begann. Aber auch 80 Jahre später bleibt die Verpflichtung als Stadtgesellschaft bestehen, an Entrechtung und Vernichtung zu erinnern und aufzuklären. Es muss benannt und sichtbar gemacht werden, was droht, in Vergessenheit zu geraten oder was mittels falscher Informationen verharmlost wird.

Antrag auf würdiges Gedenken in Karlsruhe

Im April 2025 haben wir Grünen im Karlsruher Gemeinderat einen Antrag eingebracht, der eine Erinnerungsstele für die unter dem NS-Regime verfolgten und ermordeten Sinti und Roma in Karlsruhe fordert. Viele dieser Menschen wurden entrechtet, deportiert oder getötet – mitten in unserer Stadt. Oft lebten sie über Generationen hier und waren Teil des städtischen Lebens, bis sie durch die Gräueltaten der Nationalsozialist*innen aus ihm herausgerissen wurden.

Erinnerung braucht einen Ort

Die geplante Stele soll im öffentlichen Raum sichtbar machen, dass Karlsruhe nicht nur Schauplatz nationalsozialistischer Ideologie war, sondern auch konkreter Tatort von Entrechtung, Ausgrenzung und Gewalt. Sie soll ein Ort des stillen Gedenkens, des Innehaltens, der Information und der öffentlichen Mahnung sein – gegen das Vergessen und für eine gerechte Erinnerungskultur.

Anerkennung für lange übersehene Opfergruppen

Gerade die Geschichte der Sinti und Roma ist bis heute stark von Ausblendung und Antiziganismus geprägt. Ihre systematische Verfolgung wurde lange nicht als NS-Unrecht anerkannt. Unser Antrag soll dazu beitragen, ihre Geschichten dauerhaft im kollektiven Gedächtnis unserer Stadt zu verankern. Das Gleiche gilt für die Zwangsarbeiter*innen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Karlsruher Betrieben arbeiteten. Auch sie sind bis heute oft namenlos geblieben. Auch ihnen und ihren Nachfahren wollen wir gedenken.

Gedenken ist politisch

Erinnerungskultur ist kein Selbstzweck. Sie ist politisch, weil sie Haltung zeigt – gegen das Vergessen und gegen das Wiedererstarken rechtsextremer, demokratiefeindlicher Kräfte. Der 8. Mai erinnert uns daran, dass Freiheit und Vielfalt verteidigt werden müssen. Der Tag der Befreiung fordert uns auf, uns immer wieder zu vergegenwärtigen: Die Würde jedes einzelnen Menschen ist unantastbar.

Für eine gerechte Erinnerungskultur

Die geplante Stele ist ein bedeutender Baustein einer Erinnerungskultur, die inklusiv ist und jene nicht vergisst, die lange ausgeklammert wurden. Unsere Geschichte umfasst alle und niemand darf darin übersehen werden.

Stadträtin Dr. Susanne Heynen, Sprecherin für Erinnnerungskultur