Präventive Aktivitäten bei psychischen Erkrankungen im Jugendalter

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1. Welche Bedeutung misst die Verwaltung präventiven Aktivitäten zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bei?

2. Welcher Bedarf wird hierfür in Karlsruhe gesehen?

3. Wie ist der Unterschied von präventiven Ansätzen zum Angebot von “Hide out” für berufliche Schulen?

4. Welche präventiven Angebote für Aktionen an Schulen schätzt die Verwaltung als sinnvoll ein?

5. Welche Schritte könnte die Verwaltung gehen, um präventive Angebote für Kinder und Jugendliche aufzubauen? 

6. Welche Ressourcen sind für die Eröffnung eines Standorts der präventiven Angebote in diesem Bereich notwendig?

Sachverhalt / Begründung:

Es ist bekannt, dass die Versorgung psychischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen – insbesondere seit der Corona-Pandemie – bei weitem nicht ausreichend ist. Die Kinder und Jugendlichen müssen deutlich zu lange warten, bis sie einen Therapieplatz erhalten. Es besteht die Gefahr, dass sich Störungen, wie z.B. Ängste, in dieser Wartezeit verfestigen. Leider ist die Anzahl an Therapeut*innen begrenzt. Umso größer ist damit die Bedeutung präventiver Maßnahmen, mit dem Ziel, junge Menschen zu ermutigen, zu ihren Problemen zu stehen und sich an eine Vertrauensperson, wie Schulsozialarbeiter*innen (oder an die schulpsychologische Beratungsstelle) zu wenden.

Im Rahmen der Fachtage „Welttag zur seelischen Gesundheit“ der Stadt Karlsruhe und des Landkreises im Herbst 2024 stellte sich der Verein „Irrsinnig Menschlich“ überzeugend und praxisbezogen im Sandkorn-Theater vor. Die Frage stellt sich, ob die Verwaltung diesen oder andere präventive Ansätze für Karlsruher Schulen aufgreift.

Der Verein „Irrsinnig Menschlich“ aus Leipzig hat zum Ziel, psychische Krisen zur Sprache zu bringen und Menschen zu helfen, ihre Not früher zu erkennen, sich nicht zu verstecken und Unterstützung anzunehmen. Der Verein ist auf präventive Arbeit und den Schutz von Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Die überzeugende Aktion „Verrückt na und?“ wurde vorgestellt und mit Beispielen und Evaluationsdaten untermauert. Die Aktion findet in den Schulen statt und bezieht die Kinder/Jugendlichen intensiv mit ein.

Auf ihrer Homepage heißt es: „Psychische Erkrankungen beginnen oft schon im Jugendalter. Doch häufig vergehen mehrere Jahre, bis Betroffene Hilfe suchen. Die größte Hürde für sie ist die Angst, stigmatisiert zu werden. Mit unserer niedrigschwelligen primärpräventiven Arbeit in Schule, Studium und Arbeit verkürzen wir von Irrsinnig Menschlich e.V. diese Zeitspanne. Gemeinsam mit unseren krisenerfahrenen Expert*innen helfen wir jungen Menschen, ihre Not früher zu erkennen, sich nicht zu verstecken und Unterstützung anzunehmen. Wir öffnen Herzen. Wir geben Hoffnung. Wir machen psychische Krisen besprechbar.“

Getragen und organisiert werden die Aktionen von örtlichen Standorten. In Baden-Württemberg gibt es bereits folgende Standorte: Landkreis Böblingen/Sindelfingen, Esslingen am Neckar, Freiburg, Landkreis Göppingen, Landkreis Ludwigsburg/Ludwigsburg, Offenburg, Landkreis Reutlingen/Reutlingen, Stuttgart, Zollernalbkreis/Alb (vgl. https://www.irrsinnig-menschlich.de/regionalgruppe-gruenden/).

Unterzeichnet von:
Verena Anlauf, Dr. Iris Sardarabady, Benjamin Bauer, Jorinda Fahringer

In der Stellungnahme auf unseren Antrag für die Gemeinderatssitzung am 24. Juni 2025 erhielten wir eine ausführliche Darstellung der bestehenden Angebote in Karlsruhe.
Mit der Antwort der Verwaltung sind wir teilweise zufrieden. Die Verwaltung der Stadt Karlsruhe schätzt, wie wir, die Prävention von psychischen Erkrankungen als wichtiges Ziel ein. Dabei setzt sie auf die flächendeckende Schulsozialarbeit sowohl an allgemeinbildenden als auch an beruflichen Schulen. Die Schulsoziarbeit engagiert sich aktuell und schon seit einiger Zeit für die Gründung einer Regionalgruppe des guten präventiven Ansatzes „Irrsinnig menschlich“ und sucht dafür einen Träger. Dies unterstützen wir sehr. Nicht zufrieden sind wir damit, dass sich die Sozial- und Jugendbehörde angesichts der angespannten finanziellen und damit auch personalmäßigen Situation der Stadt nicht in der Lage sieht zumindest vorübergehend selbst die Trägerschaft des präventiven Vereins zu übernehmen. Hoffentlich sieht der Spielraum der Sozial- und Jugendbehörde bald besser aus!