Antrag zur Vorberatung im Fachausschuss:
- Die Verwaltung erstellt ein Konzept für eine öffentliche Plakat- und Pressekampagne „Wohnungen für Pflegekräfte“.
- Dazu schließt die Verwaltung z.B. über das Seniorenbüro Karlsruhe ein Projektbündnis mit Krankenhäusern, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen.
- Im Projektbündnis wird geklärt,
- welche Lehren aus der entsprechenden erfolgreichen Kampagne in Freiburg gezogen werden können
- wie eine öffentliche Kampagne gestaltet werden sollte
- wie eine faire Verteilung von angebotenen Wohnungen aussehen könnte
- ob eine finanzielle Beteiligung der Träger vorstellbar ist.
- Im Bündnis wird außerdem besprochen, ob Träger oder Betriebe selbst als Hauptmieter*innen auftreten würden und die Wohnungen an ihre Mitarbeitenden untervermieten.
- Die Verwaltung klärt im Konzept die Möglichkeit, eine unterstützende digitale Plattform anzubieten, um eine schnelle passgenaue Kontaktherstellung zwischen Wohnungssuchenden und Vermieter*innen zu erleichtern.
- Notwendige Ressourcen und eventuelle Fördermöglichkeiten durch das Land oder durch Stiftungen werden dargestellt.
Begründung/Sachverhalt:
Bei zwei Berufsgruppen wirkt sich der Fachkräftemangel direkt auf weitere Personen bzw. die Familien aus: Wenn es zu wenig Pflegekräfte und zu wenig Erzieher*innen gibt, können Familienangehörige (meist sind es die Frauen) nicht arbeiten gehen, sondern versorgen ihre Kinder, kranke Menschen oder Pflegebedürftige zu Hause selbst.
Der Bedarf an Pflegekräften ist allgemein bekannt. Hinzu kommt, dass viele Pflegekräfte aufgrund des demographischen Wandels in den nächsten Jahren in Rente gehen werden. In Karlsruhe ist der Bedarf an stationären Pflegeplätzen besonders hoch.
Der Personalmangel führt dazu, dass die allgemeine Kranken- und die Altenpflege schon jetzt nicht mehr sichergestellt sind. Hinzu kommt, dass die Krankenhäuser durch gesperrte Betten aufgrund des Personalmangels deutliche Einnahmeausfälle haben, die im Fall des Städtischen Klinikums durch die Stadt Karlsruhe ausgeglichen werden.
Ein Engpass, um Personal zu gewinnen, stellt die schwierige Wohnraumversorgung in Karlsruhe dar: Pflegekräfte gehören nicht zu den Höchstverdiener*innen und sie können wegen ihres Schichtdienstes nicht in das Umland ausweichen. Immer wieder verlieren Träger Interessent*innen, da diese keinen Wohnraum für sich und ihre Familien finden.
Eine öffentlichkeitswirksame Kampagne kann hilfreich sein, um Wohnungen für Pflegekräfte zu gewinnen. Teilweise lassen z.B. ältere Menschen ihre Wohnung z.B. in einem Zweifamilien-Haus leer stehen, weil sie befürchten, mit Mieter*innen nicht zurecht zu kommen. Es ist zu erwarten, dass eine Pflegerin oder ein Pfleger für diese potenziellen Vermieter*innen vertrauenerweckend wirken. Zusätzlich bestände auch die Möglichkeit, dass das Klinikum oder ein Pflegeheim als Arbeitgeber das Mietverhältnis eingehen.
Eine solche Werbekampagne verläuft in Freiburg seit Sommer 2023 erfolgreich. Von 136 Wohnangeboten in 1,5 Jahren wurden bereits 40 Wohnungen vermietet, ca. 60 Personen (teilweise in WGs bzw. Familien) erhielten eine Wohnung. Die Freiburger Initiative strebt momentan den Aufbau eine IT-unterstützten Wohnungsvermittlung an, da so schneller eine Passgenauigkeit hergestellt werden könnte. Auch Mehrfamilienhäuser wurden angeboten. Die Vereinigung Freiburger Sozialarbeit e. V. übernimmt die Koordination der Wohnungsvermittlung. In Freiburg ist das städtische Seniorenbüro für die Organisation der Kampagne zuständig.
Eine Möglichkeit bestünde eventuell darin, die Kampagne in ca. zwei Jahren für Erzieher*innen gezielt zu wiederholen.
Unterzeichnet von:
Verena Anlauf, Benjamin Bauer, Ivo Dujmović,
Jorinda Fahringer, Dr. Susanne Heynen
Nähere Informationen zur Kampagne Wohnraum für Pflegekräfte in Freiburg:
https://www.pflege-in-freiburg.de
und zur Bilanz nach dem ersten Jahr:
https://www.freiburg.de/pb/2215440.html
Wir erhielten in der Stellungnahme für den Haupt- und Finanzausschuss am 15. Juli 2025 leider die Antwort, dass für eine solche Kampagne keine Ressourcen zur Verfügung stehen würden. Das Thema soll beim nächsten Treffen des Regionalen Pflegebündnisses angesprochen werden.
