Redebeitrag zu den World Games

Aljoscha Löffler, Co-Fraktionsvorsitzender, in der Gemeinderatssitzung am 25.03.2025

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleg*innen,

schon vor einem Jahr haben wir uns die Grundsatzentscheidung für die Bewerbung zu den World Games nicht leicht gemacht. Dieses Mal haben wir als GRÜNE noch länger und intensiver diskutiert und ich kann es vorwegnehmen – so wie im letzten Jahr werden wir auch heute uneinheitlich abstimmen.

Die Diskussionen waren schwieriger, denn neben einer gestiegenen Kostenschätzung stecken wir in einer nochmals schwierigeren Haushaltssituation, das ist kein Geheimnis. Die teilweise Ablehnung der Vorlage sind daher in diesem Gesamtzusammenhang zu sehen. Es gibt keine Ablehnung der World Games per se. Es ist auch so, dass in unserer Fraktion – wie wahrscheinlich überall – es Menschen gibt, bei denen Sportveranstaltungen allgemein und konkret World Games mehr oder weniger Begeisterung entfachen. Die jeweilige Entscheidung fußt aber nicht auf solchen subjektiven Wahrnehmungen, sondern auf einer Abwägung, welche eigentlich notwendigen Maßnahmen deswegen vielleicht hintenanstehen müssen. Ich glaube, in finanziell anderen Zeiten hätten wir sehr viele Diskussionen gar nicht geführt.

Die jüngste Debatte über stockende Sanierungsmaßnahmen in Schulgebäuden ist ein konkretes Beispiel für die vorherrschenden Sorgen, die auch nicht ausgeräumt werden können. Wenn wir die World Games aus dem Finanzhaushalt heraus finanzieren, Herr Oberbürgermeister, werden dann deswegen notwendige Sanierungsmaßnahmen aufgeschoben? Wenn wir das Geld für die World Games ausgeben, bleibt uns dann genug für Klimaschutz und Klimaanpassung, um die Stadtentwicklung langfristig nachhaltig gestalten zu können?

Genauso sorgen wir uns darum, dass diese zusätzliche Aufgabe, die bisher aus „Bordmitteln“ angegangen wurde, zu einer weiteren Überlastung der Mitarbeiter*inne der Verwaltung beitragen kann. Und dass deswegen andere Aufgaben liegen bleiben, auch wenn das Geld vorhanden sein sollte.

An diesem Punkt möchte ich aber auch die positiven Aspekte und Erwartungen ansprechen. Wir nehmen schon jetzt wahr, dass das Ziel World Games 2029 in Teilen der Verwaltung und der Stadtgesellschaft für Euphorie sorgt. Ja, das Ding kann fliegen und wir können nicht nur im Jahr 2029 sondern auf dem Weg dahin extrem viele Menschen aktivieren, in das gesellschaftliche Leben integrieren, Menschen zusammenbringen und nebenbei positive Effekte mitnehmen, dass hoffentlich mehr Menschen sich für den Sport, für Spiel und Bewegung erreichen lassen und diese dann auch dauerhaft dabeibleiben.

Wir erkennen auch, dass die World Games nicht allein ein Karlsruher Ding sind. Nicht nur wegen der finanziellen Unterstützung von Land und Bund. Wir zeigen damit auch, dass ein internationales Großereignis nachhaltig und klimaneutral in einem demokratischen Land durchgeführt werden kann. Wenn wir auf die Austragungsorte Olympischer Spiele oder zum Beispiel von Fußballweltmeisterschaften gucken, dann ist das leider nicht außer Acht zu lassen.

Die nationale Bedeutung und Unterstützung wird nun leider nicht dazu führen, dass der Bund uns eine neue Sporthalle oder ein Schwimmbad bezahlt. Die finanzielle Unterstützung kommt aber dennoch in Karlsruhe und der Region an. Und Karlsruhe erhält die Chance, sich als attraktiver Standort mit einer lebendigen und offenen Stadtgesellschaft zu zeigen.