Antrag zur Vorberatung im Fachausschuss:
Die Stadtverwaltung legt einen konkreten Vorschlag vor, an welcher Stelle die schon für den 75. Jahrestag der Deportation der Karlsruher Sinti*zze und Rom*nja vorgesehene Sandsteinstele aufgestellt werden soll.
Wünschenswert wäre, dass noch 2025 anlässlich des 85. Jahrestages ein konkreter Ort der Erinnerungskultur mit einer entsprechenden Veranstaltung eingeweiht werden kann.
| Begründung/Sachverhalt |
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden in Karlsruhe zahlreiche Denkmale und andere Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum, an denen sich ablesen lässt, welche Personen, Institutionen oder Ereignisse in der jeweiligen Zeit als besonders bedeutend angesehen wurden.
Der Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe aus dem Jahr 2016 sowie die Vorlage Nr. 2024/1110 aus dem Kulturausschuss am 13.12.2024 geben Auskunft über den Umgang mit bestehenden und die Umsetzung neuer Erinnerungsmale, die vom Gemeinderat 2016 beschlossen wurden.
Zu den 2016 als dringlich herausgestellten Erinnerungsstelen gehörte eine, schon vor mehr als zehn Jahren geplante rote Sandsteinstele mit Glastafel „Karlsruhe erinnert“ zum Gedenken an die Deportation und Ermordung der Karlsruher Sinti*zze und Rom*nja am 16. Mai 1940. Bis 1945 ermordeten die Nationalsozialisten im Zuge ihrer rassenideologischen Vernichtungspolitik zwischen 220.000 und 500.000 europäische Sinti*zze und Rom*nja. Dieser Völkermord ist heute unter anderem als „Porajmos“ bekannt. Die Erinnerungsstele in Karlsruhe konnte 2015 zum 75. Jahrestag der Deportation am geplanten Ort beim ehemaligen Bezirksamt, Karl-Friedrich-Straße/Hebelstraße, aus Verkehrssicherheitsgründen nicht aufgestellt werden. Eine Glastafel nach demselben Konzept an dem Gebäude wurde vom Eigentümer abgelehnt.
Im Leitfaden von 2016 war angekündigt worden, dass ein neuer sinnvoller Aufstellungsort gefunden wird. Das ist bis heute nicht passiert. Es braucht für die Bevölkerung, die Überlebenden und Nachkommen der Opfer, aber auch für die heranwachsende Generation sowie Gäste in unserer Stadt Orte der Aufklärung und Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und an das Leiden, die Verfolgung und Vernichtung der ermordeten sowie die Entrechtung der überlebenden Karlsruher Sinti*zze und Rom*nja.
Antiziganismus, die rassistisch motivierte Ausgrenzung und Feindschaft gegenüber Sinti*zze und Rom*nja, Jenischen und anderer Gruppen, ist bis heute in Europa weit verbreitet. Zuletzt ist auch die Zahl der antiziganistischen Angriffe in Deutschland deutlich angestiegen.
Weitere Informationen
- Banghard, W. (2023). Gräber verfolgter Sinti auf dem Friedhof Grünwinkel. Grünwinkler Geschichten, 324-328.
- Hills, V. (2017). Sinti und Roma: „Nicht aus Gründen der Rasse verfolgt“? Zur Entschädigungspraxis am Landesamt für Wiedergutmachung Karlsruhe. Karlsruhe: Info Verlag (Hrsg.: Stadtarchiv Karlsruhe).
- Kaiser, J. (2022). Verfolgung von Sinti und Roma in Karlsruhe im Nationalsozialismus: Die städtische und kriminalpolizeiliche Praxis. Karlsruhe: Info Verlag (Hrsg.: Stadtarchiv Karlsruhe).
- Krausnick, M. (2015). Abfahrt Karlsruhe: 16.5.1940 – Die Deportation der Karlsruher Sinti und Roma. Ubstadt Weiher – Heidelberg – Neustadt a.d.W. – Basel: verlag regionalkultur (Hrsg.: Stadtarchiv Karlsruhe).
Unterzeichnet von:
Dr. Susanne Heynen Benjamin Bauer Jorinda Fahringer
Ceren Akbaba Verena Anlauf Dr. Iris Sardarabady
Schon im Haupt- und Finanzausschuss am 11. März 2025 erhielten wir die Rückmeldung, dass die von uns beantragte Stele am Waldhornplatz im Dörfle errichtet werden soll.
Beim Kulturausschuss am 25. Juli 2025 wurde die Gestaltung der Stele mit Text und Bildern vorgestellt.
Wenn sich der Gemeinderat für eine Benennung des Platzes an der Kapellenstraße in Familie-Reinhardt-Platz entscheidet, soll die Stele dort aufgestellt werden. Die Familie Reinhardt, die in unmittelbarer Nähe im Dörfle gelebt hatte, war in besonderer Weise von der Verfolgung und Deportation der Sinti und Roma aus Karlsruhe betroffen.
Wir sind froh, dass der Gedenkort nun endlich entsteht!
