Beitrag für die Stadtzeitung von Dr. Sonja Klingert

Jetzt ist es soweit: Nach fast 60 Jahren ging die Turmbergbahn im Dezember 2024 außer Betrieb. Der Neubau mit der Verlängerung zur B3 auf der schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts dafür vorgesehenen Trasse ist schon seit Jahren in der Planung. Die Idee: die Bahn wird zugänglich für alle Menschen, ob mit Kinderwagen, Rollator, Fahrrad oder Rollstuhl. Und die Anbindung an die Tram sorgt für weniger Autoverkehr auf dem Turmberg, denn so kann dank Bahnalternative illegales Parken kontrolliert und eingedämmt werden. Der Turmberg ist wegen der hohen Übernachtungskapazitäten der Sportschule Schöneck ein Wirtschaftsfaktor für Karlsruhe. Er muss mit öffentlichem Nahverkehr erreichbar sein.
Die Fakten: Technisches
Die neue Bahn soll 117 m Höhendifferenz statt 100 m überwinden, auf einer Streckenlänge von knapp 500 m anstatt 315 m. Das Fahrzeug wird für die Barrierefreiheit mittels Hydraulik immer „gerade“ gestellt werden und anstelle von 52 wird es 70 Personen transportieren können bei einer Fahrzeuglänge von 10,5 m. Es bleibt bei der bewährten Technik der Standseilbahn. Unter der aufgeständerten Bahn wird entsiegelt und begrünt. Die derzeitige Turmbergbahn Talstation wird abgerissen und entfällt; an ihre Stelle kommt eine Talstation am Fuße des Turmbergs an der B3. Die Bergstation wird auf der bestehenden Gründung neu errichtet. Beide Stationen erhalten eine Dachbegrünung; die Bergstation bekommt zusätzlich Photovoltaik Module.
Die Fakten: Kosten
Die Kosten liegen derzeit bei 32 Mio. €. Wegen einer Indexierung können sie nicht beliebig steigen. Auf die Infrastruktur inklusive Gebäude und Zäune entfallen dabei ca. 28 Mio. €. Knapp 4 Mio. € sind für die Fahrzeuge vorgesehen. Ein neues Karlsruher Straßenbahnfahrzeug kostet ca 1,4 Mio. €; berücksichtigt man die technisch anspruchsvolle Neuentwicklung der beiden Fahrzeuge für die Turmbergbahn, die Steigungen zwischen 10 und 33 % überbrücken müssen, so scheinen die Kosten angemessen. Für die Infrastrukturkosten gibt es kaum Vergleichsgrundlagen, da Standseilbahnen selten sind. Baukosten für eine Straßenbahn mit deutlich weniger komplexer Gleistechnik liegen bei 10 bis 20 Mio. €/km.
Entscheidungsgrundlage
Im Laufe der Planungen wurde die Bevölkerung mehrmals informiert und an einigen Entscheidungen beteiligt. So konnte durch Ideen aus einem Workshop die Höhe des sichtbaren Zauns in der Bergbahnstraße reduziert werden. Die CO2 Emissionen durch Abriss und Bau werden durch die Verlagerung von Autoverkehr auf die Bahn in den ersten Betriebsjahren kompensiert. Danach fährt sie mit dem deutschen Strommix, mit von Jahr zu Jahr mehr Erneuerbaren (2023: 56 %). Und die Beschlussvorlage im Gemeinderat vom 17.12.2024 knüpft den Neubau an die Landesförderung von mindestens 50 %.
Mein Fazit
Die kleine Turmbergbahn hat für viele Karlsruher*innen eine hohe Bedeutung. Die „neue“ Bahn ist größer und wuchtiger, um die Verlagerungseffekte vom Autoverkehr aufnehmen zu können. Die Aufgabe des Bisherigen ist eine Entscheidung der Vernunft! Denn die Summe der Vorteile übersteigt die Summe der Nachteile deutlich.
