Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen ganzheitlich gestalten

Die CDU-Gemeinderatsfraktion Karlsruhe beantragt:
• Die Verwaltung wird beauftragt, die bestehenden Vergabekriterien für die Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen weiterzuentwickeln. Dabei ist die bisherige Gewichtung von 50 % Preis und 50 % Qualität beizubehalten. Die Qualitätsbewertung ist jedoch künftig ganzheitlich und mehrdimensional auszugestalten. Die bisherigen Qualitätskriterien sind beizubehalten, aber insbesondere um folgende Dimensionen zu erweitern und in geeigneter Weise zu definieren und zu gewichten:

a) Ernährungsqualität (z. B. abwechslungsreiche, ausgewogene und altersgerechte Speisen),
b) Prozessqualität (z. B. Frischegrad, Zubereitungsart, Verarbeitungsstufe, Warmhaltezeiten),
c) Akzeptanz und Servicequalität (z. B. Feedbacksysteme, Zufriedenheit der Nutzer)
d) Pädagogische Aspekte (z. B. Einbindung in Ernährungsbildung)

Sachverhalt / Begründung
Die Qualität der Mittagsverpflegung in Kitas und Schulen ist ein wichtiger Baustein für Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. Die derzeitige Vergabepraxis (vgl. zuletzt etwa Vorlage-Nr. 2026/0049) legt den Fokus jedoch bisher nur auf Nachhaltigkeitsaspekte, d.h. den Einsatz von Bio-Produkten, Regionalität sowie die Anlieferung in Elektro-Fahrzeugen. Nachhaltigkeit ist wichtig, bildet jedoch nur einen Teilaspekt von Qualität ab. Ein umfassendes Qualitätsverständnis, wie es beispielsweise in den aktuellen fachlichen Leitlinien des Bundeslandes Bayern abgebildet wird (https://www.bestellen.bayern.de/med/7d024676-b4a5-11f0-81ee-c3fc7d0a3316/4b0e6a70-1059-11d9-4c85-9d915831e9eb/0/08182017.pdf), zeigt, dass Qualität mehrdimensional zu messen ist.

So ist die Akzeptanz der Verpflegung durch Kinder und Jugendliche ein wichtiger Faktor, der in Karlsruhe jedoch vernachlässigt wird. Die Konsequenz: Wenn man sich die Vergabezahlen der letzten zehn Jahre anschaut, hat die durchschnittlich bestellte Speisenanzahl pro Schule und Woche sogar abgenommen. Im Schnitt besucht im laufenden Schuljahr nicht einmal jeder vierte Schüler einer weiterführenden Schule die eigene Mensa. In manchen Schulen liegt die Teilnahmequote am Mittagessen nicht einmal bei 10 Prozent. Wir führen dies darauf zurück, dass Aspekte wie Geschmack, Auswahlmöglichkeiten sowie die Einbindung von Rückmeldungen in der aktuellen Vergabepraxis nicht (mehr) ausreichend berücksichtigt werden. Nach dem Gemeinderatsbeschluss zum Wegfall aufwändiger und einmaliger Probeessen gilt es daher, andere niedrigschwellige bzw. digitale Formate zur regelmäßigen Abfrage der Akzeptanz zu entwickeln. Hier sollten neben Kindern und Jugendlichen auch die Eltern einbezogen werden. Rückmeldungen sollten erfasst und entsprechend berücksichtigt werden.

Auch die Ernährungsqualität – also die Frage, ob die angebotenen Speisen ausgewogen, altersgerecht, vielfältig und gesundheitsförderlich sind – wird bislang nicht systematisch bewertet. Saisonalität (z.B. Aktionstage) oder das Angebot regionaltypischer Gerichte fließt nicht in die bisherige Bewertung ein. Ebenso fehlen Kriterien zur tatsächlichen Umsetzung der Verpflegung, etwa hinsichtlich Frische, Zubereitung, Hygiene oder organisatorischer Abläufe wie die bestmögliche Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

Ein weiterer wichtiger Baustein moderner Schulverpflegung ist schließlich auch die Verknüpfung mit Ernährungsbildung. Die Mittagsverpflegung insbesondere auch im Ganztag an Grundschulen kann einen Beitrag dazu leisten, gesunde Essgewohnheiten zu fördern und Ernährungskompetenzen zu stärken.

Ziel des Antrags ist es daher, die bestehende Systematik nicht grundsätzlich zu verändern, sondern die Qualitätsbewertung innerhalb der bestehenden 50 %-Gewichtung weiterzuentwickeln. Schließlich kann die tatsächliche Qualität der Verpflegung aus unserer Sicht durch eine differenzierte Betrachtung mehrerer Qualitätsdimensionen besser abgebildet und gesteuert werden.

Unterzeichnet von:
Stadtrat Detlef Hofmann
Stadtrat Nicolas Schütz
sowie CDU-Gemeinderatsfraktion