{"id":2682,"date":"2015-11-16T00:00:00","date_gmt":"2015-11-15T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/web6.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2015\/11\/tierschutz-natur-und-artenschutz-und-moderne-zoopaedagogik-gruene-veranstaltung-am-13-november-fand-grosse-resonanz-2\/"},"modified":"2020-07-17T18:15:48","modified_gmt":"2020-07-17T16:15:48","slug":"tierschutz-natur-und-artenschutz-und-moderne-zoopaedagogik-gruene-veranstaltung-am-13-november-fand-grosse-resonanz-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2015\/11\/tierschutz-natur-und-artenschutz-und-moderne-zoopaedagogik-gruene-veranstaltung-am-13-november-fand-grosse-resonanz-2\/","title":{"rendered":"\u201eTierschutz, Natur- und Artenschutz und moderne Zoop\u00e4dagogik\u201c GR\u00dcNE Veranstaltung am 13. November fand gro\u00dfe Resonanz"},"content":{"rendered":"<p>Wir GR\u00dcNE freuen uns \u00fcber die gro\u00dfe Resonanz, die unsere Veranstaltung zur Zukunft des Karlsruher Zoos gefunden hat. Rund 100 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, darunter VertreterInnen der Tier- und Naturschutzverb\u00e4nde, der Zoofreunde, des Gartenbauamts, der B\u00fcGa (B\u00fcrgergartenschau) sowie der Hochschulen, waren gekommen, um die Vortr\u00e4ge unserer ReferentInnen zu h\u00f6ren und mit uns \u00fcber die Zukunft des Karlsruher Zoos zu diskutieren.<\/p>\n<p>&nbsp;Als ReferentInnen konnten wir den neuen Karlsruher Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt, Torsten Schmidt, den Wissenschaftlichen Mitarbeiter des Bundes gegen den Missbrauch der Tiere sowie Dr. Cornelie J\u00e4ger, die Landestierschutzbeauftragte der gr\u00fcn-roten Landesregierung Baden-W\u00fcrttemberg, gewinnen.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcne Eckpunkte zur Weiterentwicklung des Zoos Bettina Lisbach:<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Fraktionsvorsitzende und Landtagskandidatin Bettina Lisbach wies auf die lange Tradition des Karlsruher Zoos hin und betonte, dass der Zoo und der Stadtgarten in der Beliebtheitsskala bei den Karlsruher B\u00fcrgerInnen gleichauf liegen. Deshalb soll die bew\u00e4hrte Kombination aus Zoo und Stadtgarten wie bisher bewahrt bleiben.<\/p>\n<p>Sie hob u. a. insbesondere hervor:<\/p>\n<ul>\n<li> Viele Gehege sind nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df und entsprechen nicht einmal den Mindestanforderungen des neuen S\u00e4ugetiergutachtens.<\/li>\n<li> Jetzt muss eine sorgf\u00e4ltige und langfristige Planung f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte stattfinden.<\/li>\n<li> Unsere gr\u00fcnen Leitlinien dabei sind Tierschutz, Arten- und Naturschutz sowie eine deutliche St\u00e4rkung der Zoop\u00e4dagogik.<\/li>\n<li> Die Gehege m\u00fcssen hinsichtlich ihrer Gr\u00f6\u00dfe, des Klimas, und der Struktur so gestaltet sein, dass die Tiere ihren artgem\u00e4\u00dfen Bed\u00fcrfnissen nachkommen und ihr Sozialverhalten ausleben k\u00f6nnen. Keine Tiere d\u00fcrfen der Natur entnommen werden.<\/li>\n<li> V\u00f6gel d\u00fcrfen k\u00fcnftig nicht mehr verst\u00fcmmelt oder durch Federnstutzen flugunf\u00e4hig gemacht werden.<\/li>\n<li> Wo Artenschutz drauf steht, muss auch Artenschutz drin sein. D. h. die Haltung der Tiere muss in Verbindung mit Artenschutzprojekten und \u2013 wo m\u00f6glich &#8211; mit Auswilderungsprojekten in die origin\u00e4ren Lebensr\u00e4ume der Tiere stehen.<\/li>\n<li> Zoop\u00e4dagogik muss vor allem Wissen, Verst\u00e4ndnis und die Bereitschaft zum Schutz der Tiere und des Erhalts und der Wiedergewinnung ihrer Lebensr\u00e4ume wecken.<\/li>\n<li>Unsere Zoofl\u00e4che ist nicht beliebig erweiterbar. Vorrang vor dem Beibehalten aller Tierarten, vor allem der exotischen Gro\u00dftierarten, hat die artgem\u00e4\u00dfe Haltung der verbleibenden Tiere.<\/li>\n<li> Die regionale Kooperation mit anderen Zoos soll ausgebaut werden. Nicht jeder Zoo muss alles haben.<\/li>\n<li> Der Tierpark Oberwald muss in die Konzeption mehr eingebaut werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Tier- und naturschutzrechtliche Vorgaben auf Bundes- und EU-Ebene: Dr. Cornelie J\u00e4ger, Landestierschutzbeauftragte<br \/>\n<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li> Sie erl\u00e4uterte, dass nicht nur das Tierschutzgesetz, das S\u00e4ugetiergutachten, das Washingtoner Artenschutzabkommen, die Vogelschutzrichtlinie und die EU-Richtlinien f\u00fcr die Tierhaltung zugrunde gelegt werden m\u00fcssen, sondern vor allem auch das Bundesnaturschutzgesetz.<\/li>\n<li> Auch die Definition des Zoos ist im Bundesnaturschutzgesetz festgelegt: F\u00fcr die Genehmigung ist ein Zookonzept mit didaktischem Wert, P\u00e4dagogischer Bildung, Forschungsauftrag oder Zucht zur Arterhaltung gef\u00e4hrdeter Arten die Voraussetzung.<\/li>\n<li> In der Summe ergeben sich dadurch hohe Anforderungen f\u00fcr die Zootierhaltung.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Konzeptionelle \u00dcberlegungen und Pl\u00e4ne von Dr. Matthias Reinschmidt<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><strong> <\/strong>Erfreulicherweise machte Dr. Reinschmidt deutlich, dass er unsere Ziele Natur- und Artenschutz, Tierschutz und Zoop\u00e4dagogik teilt und sich sehr daf\u00fcr einsetzen wird. Er hob in seinem Vortrag u. a. folgende Ziele hervor:<\/p>\n<ul>\n<li> Er f\u00fchrte aus, dass der zoologische Stadtgarten mit 22 ha mitten in der Stadt eine bipolare Anlage mit Zoo und Gartenbauanlage ist.<\/li>\n<li> Der Lebensraum Wasser (Eisb\u00e4ren, Robben, Pinguine) verf\u00fcgt \u00fcber eine relativ neue, zeitgem\u00e4\u00dfe Anlage. Er w\u00fcrde die Zucht gerne wiederbeleben.<\/li>\n<li> Das Exotenhaus findet er sehr gelungen, sieht aber auch Anpassungsbedarf nach einem Jahr.<\/li>\n<li> Kurzfristig k\u00f6nnen durch Erweiterungen und Entfernen von Z\u00e4unen Verbesserungen f\u00fcr die Huftiere erreicht werden. Durch die \u00d6ffnung der St\u00e4lle kann auf das Einsperren der Tiere nachts verzichtet werden.<\/li>\n<li> Eine Elefantenzucht kommt wegen der fehlenden Fl\u00e4chen nicht mehr infrage. Dagegen unterst\u00fctzt er eine Tierschutzhaltung, eine Art Elefantenresidenz f\u00fcr beschlagnahmte alte Elefantenk\u00fche, z.B. aus Zirkushaltung. Notwendig daf\u00fcr ist die Ausweitung der bestehenden Anlage. Das S\u00fcdamerikahaus m\u00fcsste dazu aufgegeben werden.<\/li>\n<li>Am Lauterberg k\u00f6nnte eine Luchshaltung sowie eine Auerhuhnhaltung eingerichtet werden \u2013 als Kooperationsprojekt mit dem Nationalpark Nordschwarzwald.<\/li>\n<li> Die Giraffen brauchen sowohl mehr Innenfl\u00e4chen f\u00fcr einen Laufstall als auch zus\u00e4tzliche Au\u00dfenfl\u00e4chen. Das kann durch eine Vergesellschaftung mit den Huftieren erreicht werden.<\/li>\n<li> Auch die Nilpferde brauchen dringend gr\u00f6\u00dfere Wasserbecken und mehr Au\u00dfenbereiche. Die Flamingos sollen deshalb in eine Voliere umgesiedelt werden.<\/li>\n<li> Dies entspricht auch seinem Ziel, das Fl\u00fcgelstutzen der Flamingos und anderer Wasserv\u00f6gel zu beenden. F\u00fcr Wasserv\u00f6gel soll eine gro\u00dfe Volierenhaltung entstehen.<\/li>\n<li> Die l\u00e4ngst nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfe Schimpansenhaltung soll auslaufen. Die frei werdenden Au\u00dfen-und Innengehege sollen dann f\u00fcr die Kattas zur Verf\u00fcgung stehen.<\/li>\n<li> Herr Reinschmidt setzt sich f\u00fcr Naturschutzprojekte ein. Seine Vision ist ein Tier-Arten-Schutz-Zentrum. Die Tiere \u00fcbernehmen eine \u201eBotschafterfunktion\u201c f\u00fcr dieses Projekt ein. So soll die Sensibilisierung f\u00fcr den Schutz der Tiere und die Erhaltung (oder Wiederherstellung) der Lebensr\u00e4ume erfolgen.<\/li>\n<li> Ein neues Naturschutzprojekt des Zoos ist das Ecuador-Projekt zur Erhaltung der Biodiversit\u00e4t: Wiederaufforstungsprojekt Puntos Verdes.<\/li>\n<li> Er will die Menschen n\u00e4her an die Tiere heran bringen u. a. durch direkten Mensch-Tier-Kontakt, z. b. durch \u201eStreichelk\u00e4ngurus\u201c, oder durch Wellensittiche und Papageien zum \u201eanfassen\u201c (Handf\u00fctterung)<\/li>\n<li> L\u00e4ngerfristig kann er sich die Einrichtung einer Orang Utang Gruppe vorstellen. Diese Tiere sind akut bedroht. (von urspr\u00fcnglich eine Million Tieren gibt es nur noch rund 35.000 Tiere weltweit). Wegen der fehlenden Fl\u00e4che w\u00fcrde aus seiner Sicht das Sallenw\u00e4ldchen daf\u00fcr gut geeignet sein. Dabei k\u00f6nnte man auch f\u00fcr die negativen Folgen der Palm\u00f6l-Monokulturen sensibilisieren.<\/li>\n<li> Die L\u00f6wenhaltung soll nach dem biologischen Ende des der L\u00f6win Safo aufgegeben werden. Das Gehege k\u00f6nnte man f\u00fcr eine Ameisenb\u00e4renhaltung nutzen.<\/li>\n<li> Wenn man weiterhin an Gro\u00dfkatzen festhalten will, bieten sich Tiger an, die ebenfalls zu den bedrohten Tierarten z\u00e4hlen.<\/li>\n<li> Insgesamt hat der Karlsruher Zoo ein hohes Potenzial f\u00fcr eine bundesweite Spitzenposition als k\u00fcnftiges Artenschutzzentrum.<\/li>\n<li> Eine T\u00f6tung \u00fcberz\u00e4hliger Nachzuchten lehnt er ab. \u00dcberz\u00e4hlige Nachzuchten sollen pr\u00e4ventiv durch Einstellung der Zucht verhindert werden.<\/li>\n<li> Die Seeb\u00fchne k\u00f6nnte man f\u00fcr \u201eedukative\u201c Tierpr\u00e4sentationen nutzen<\/li>\n<li> Eingerichtet werden soll eine Schauklinik mit gro\u00dfer Glasfront zum Reinschauen. Dadurch soll mehr \u201eTansparenz\u201c und \u201ehinter die Kulissenschauen\u201c erreicht werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Torsten Schmidt erl\u00e4utere die Tierschutzsicht des BMT:<\/strong><\/p>\n<p>Neben positiven Ans\u00e4tzen wie u. a. die angestrebte Beendigung der Flugunf\u00e4higmachung von V\u00f6geln, die St\u00e4rkung des Natur- und Artenschutzes und die Vergesellschaftung von Tieren in gr\u00f6\u00dferen Gehegen, sieht Herr Schmidt auch kritische Punkte beim Karlsruher Zoo:<\/p>\n<ul>\n<li> Wenn man heute am Zoo festh\u00e4lt, braucht man gute Gr\u00fcnde und muss sich auf die Tierarten beschr\u00e4nken, die man artgerecht im Zoo halten kann.<\/li>\n<li> Als Beispiel f\u00fcr eine Tierart, die heute nicht mehr in Zoos gehalten werden sollte, nennt er die Eisb\u00e4ren. Ihre Haltung sollte aufgrund, ihres ausgedehnten Wanderverhaltens und ihres Jagdtriebs und der fehlenden klimatischen Verh\u00e4ltnisse aufgegeben werden.<\/li>\n<li> Die jetzt ins Gespr\u00e4ch gebrachten Verbesserungen bei der Haltung von Gro\u00dftierarten seien nicht ausreichend. Er nennt u. a. die Nilpferde und die Giraffen, sowie die Elefanten.<\/li>\n<li> Er hebt allerdings hervor, dass viele der zeitnah geplanten Verbesserungen von ihm positiv bewertet werden.<\/li>\n<li> Grunds\u00e4tzlich sollte die Verbesserung der Haltungsbedingungen im Vordergrund stehen, unter Verzicht von Tierarten.<\/li>\n<li> Wenn man die bedrohte Tierart Orang Utan mit Zuchterhaltungsprogramm im Karlsruher Zoo neu halten m\u00f6chte, m\u00fcssen optimale Haltungsbedingungen f\u00fcr diese hoch entwickelte, gelehrige und aktive Menschenaffenart geschaffen werden.<\/li>\n<li> Dem Zoo fehlt noch ein \u201eerkennbares\u201c Thema.<\/li>\n<li> Er bewertet die Kooperation und Unterst\u00fctzung von Naturschutzprojekten in den Herkunftsl\u00e4ndern von bedrohten Tierarten sehr positiv und schl\u00e4gt vor, zur Finanzierung einen Euro auf den Eintrittspreis zu verlangen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Es folgte eine angeregte und kontroverse Debatte mit den G\u00e4sten unser Veranstaltung: Dabei ging es u. a. um folgende Themen:<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><strong><\/strong>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li> Sollen die Elefanten k\u00fcnftig \u201ehands-on\u201c oder im \u201egesch\u00fctzten Kontakt\u201c gehalten werden?<\/li>\n<li> Kann die Haltung von Eisb\u00e4ren im Zoo artgerecht erfolgen?<\/li>\n<li> Reicht das Becken f\u00fcr eine artgem\u00e4\u00dfe Haltung von Robben aus?<\/li>\n<li> Ist es nicht notwendig, die Zahl der Tierarten sehr stark zu reduzieren, um gro\u00dfz\u00fcgige Gehege f\u00fcr die \u00fcbrigen Tiere zu erm\u00f6glichen?<\/li>\n<li> Das Sallenw\u00e4ldchen soll als Gr\u00fcn- und Klimaschneise zwischen Zoo und S\u00fcdstadt erhalten bleiben!<\/li>\n<li> Orang Utans k\u00f6nnen ohnehin nicht ausgewildert werden. Macht es \u00fcberhaupt einen Sinn, diese Tiere angesichts der geringen Fl\u00e4chen und der anspruchsvollen Haltungsbedingungen in unserem Zoo zu halten?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Kurzes Res\u00fcmee und Ausblick der Gr\u00fcnen Gemeinderatsfraktion:<\/strong><\/p>\n<p>Erstmals haben wir die Gelegenheit gehabt, sehr ausf\u00fchrlich die grundlegende Denkweise und die konkreten Vorstellungen und Ziele von Dr. Reinschmidt durch seinen Vortrag zu erfahren. Dr. Cornelie J\u00e4ger und Torsten Schmidt haben mit ihren kritisch-konstruktiven Beitr\u00e4gen wichtige Denkst\u00f6\u00dfe gegeben. Wir danken allen drei ReferentInnen f\u00fcr ihre guten Vortr\u00e4ge und den G\u00e4sten f\u00fcr ihre Diskussionsbeitr\u00e4ge. Fest steht f\u00fcr uns, dass wir die Ideen von Dr. Reinschmidt, f\u00fcr zeitnahe Verbesserungen der Haltungsbedingungen vieler Tierarten, positiv bewerten und unterst\u00fctzen werden. Auch die Entwicklung in Richtung eines Artenschutz- und Naturschutzzoos mit Naturschutzprojekten sowie einer Ausweitung der Zoop\u00e4dagogik findet unsere Zustimmung und Unterst\u00fctzung. Bez\u00fcglich der Beibehaltung und Neuanschaffung von Gro\u00dfwildtieren und der Inanspruchnahme des Sallenw\u00e4ldchens werden wir eine kritische Positionierung vornehmen.<\/p>\n<p>Bericht:<br \/>\nRenate Rast\u00e4tter, Naturschutz- und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir GR\u00dcNE freuen uns \u00fcber die gro\u00dfe Resonanz, die unsere Veranstaltung zur Zukunft des Karlsruher Zoos gefunden hat. 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