{"id":2552,"date":"2020-06-23T00:00:00","date_gmt":"2020-06-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/web6.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2020\/06\/runder-tisch-selbstbestimmte-und-moeglichst-interventionsarme-geburt-antrag-sachverhalt-begruendung\/"},"modified":"2025-03-03T15:49:01","modified_gmt":"2025-03-03T14:49:01","slug":"runder-tisch-selbstbestimmte-und-moeglichst-interventionsarme-geburt-antrag-sachverhalt-begruendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2020\/06\/runder-tisch-selbstbestimmte-und-moeglichst-interventionsarme-geburt-antrag-sachverhalt-begruendung\/","title":{"rendered":"Runder Tisch: \u201eSelbstbestimmte und m\u00f6glichst interventionsarme Geburt\u201c"},"content":{"rendered":"<h2>Antrag<\/h2>\n<ol type=\"1\">\n<li>Die Verwaltung etabliert unter st\u00e4dtischer Leitung einen regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Runden Tisch \u201eSelbstbestimmte und m\u00f6glichst interventionsarme Geburt\u201c.<\/li>\n<li>An diesem Runden Tisch sollen alle Aktive, die rund um die Geburt eine Rolle spielen, um Mitarbeit gebeten werden: Eingeladen werden sollen: Vertreter*innen von Selbsthilfegruppen, Motherhood, Pro Familia, freie ambulante und angestellte Hebammen, das Pflegepersonal und die \u00c4rzt*innen der Karlsruher Geburtshilfekliniken, evtl. An\u00e4sthesist*innen, Kinderpfleger*innen, ambulante Frauen\u00e4rzt*innen, Kinder\u00e4rzt*innen, die st\u00e4dtische Gleichstellungsbeauftrage, eine Vertreterin der Familienhebammen, die Fr\u00fchen Hilfen der Stadt Karlsruhe, Krankenkassen.<\/li>\n<li>Aufgabe des Runden Tisches soll es sein, die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander zu f\u00f6rdern. Dabei ist es das Ziel, in Karlsruhe weitere Schritte in Richtung guter und selbstbestimmter Geburt zu gehen. Eine m\u00f6glichst interventionsarme Geburt, die der Gesundheit der geb\u00e4renden Person und des Kindes zugute kommt, wird angestrebt.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Sachverhalt\/Begr\u00fcndung<\/h2>\n<p>Verschiedene Faktoren f\u00fchren dazu, dass die Geburtshilfe verst\u00e4rkt in den Fokus der \u00f6ffentlichen Diskussion geraten ist.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Geburten steigt, gleichzeitig machen sich der Hebammenmangel und die allgemeine Unterfinanzierung des Gesundheitssystems bemerkbar. Werdende Eltern, Eltern und Vertreter*innen der beteiligten Berufsgruppen setzen sich \u2013 teilweise organisiert &#8211; f\u00fcr gute und selbstbestimmte Geburten ein.<\/p>\n<p>Ein besonderes Augenmerk soll auf neuzugewanderte, insbesondere auch gefl\u00fcchtete Frauen sowie Frauen mit Migrationshintergrund gelegt werden. Aufgabe soll es z.B. sein, diesen Frauen einen besseren Zugang zu Geburtsvorbereitungskursen und zur Nachbetreuung zu erm\u00f6glichen. Die vergleichsweise hohe Quote an Fr\u00fchgeburten bei gefl\u00fcchteten Frauen soll verringert werden.<\/p>\n<p>Vom Ministerium f\u00fcr Soziales und Integration wurde 2018 auf Landesebene ein Runder Tisch installiert und 2019 ein Ma\u00dfnahmenplan ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Zu 1) Wir gehen davon aus, dass es keine einheitliche Definition von \u201eguter\u201c und \u201eselbstbestimmter\u201c Geburt gibt. Jede Geburt ist anders und die Bed\u00fcrfnisse der werdenden Eltern sind unterschiedlich. Wichtig ist der Zufriedenheitsgrad der geb\u00e4renden Person, die Gesundheit der Babys, aber auch die Zufriedenheit der beteiligten Berufsgruppen mit ihren Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p>Die st\u00e4dtische Leitung k\u00f6nnte z.B. aus einer\/m Vertreter*in des Gleichstellungsb\u00fcros zusammen mit einer Person aus dem Kinderb\u00fcro bestehen.<\/p>\n<p>Themen k\u00f6nnten sein:<\/p>\n<ol type=\"circle\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">&nbsp;<\/li>\n<\/ol>\n<ol type=\"circle\">\n<li>Wie kann die Kommunikation und Information zwischen den Aktiven verbessert werden?<\/li>\n<li>Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, die \u00dcberg\u00e4nge zwischen den verschiedenen Phasen rund um die Geburt noch besser zu gestalten? (Geburtsvorbereitung, z.B. Aufnahme in der Klinik, Geburt, Verlassen der Klinik, Wochenbett, evtl. Aufarbeitungs- bzw. Gespr\u00e4chswunsch auch nach einigen Monaten)<\/li>\n<li>Wie k\u00f6nnen die Arbeitsbedingungen der beteiligten Berufsgruppen verbessert werden? Wie wirkt sich der Fachkr\u00e4ftemangel aus und was kann dagegen getan werden?<\/li>\n<li>Sind die M\u00f6glichkeiten der Weiterbildung in Karlsruhe ausreichend?<\/li>\n<li>Welche Ideen gibt es, um weitere Schritte in Richtung einer guten und selbstbestimmten Geburt in Karlsruhe zu gehen?<\/li>\n<li>Durch welche Betreuungskonzepte kann der physiologische Verlauf gest\u00e4rkt und die Pathologisierung des Geburtsvorgangs reduziert werden? (Unter einer physiologischen Geburt wird eine Geburt verstanden, bei der keine bzw. m\u00f6glichst wenige, gut begr\u00fcndete Interventionen durchgef\u00fchrt werden.)<\/li>\n<li>Wie kann die Situation derjenigen verbessert werden, die unter besonders vulnerablen Bedingungen schwanger sind (z.B. zugewanderte Frauen mit Fluchthintergrund)?<\/li>\n<li>Wie kann ein interventionsarmer, ressourcenorientierter Geburtsverlauf unterst\u00fctzt werden? (Patient Empowerment)<\/li>\n<li>Wie k\u00f6nnen Pr\u00e4ventionspotentiale schon vor der Schwangerschaft identifiziert werden?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Im April 2019 wurde der vom Ministerium f\u00fcr Soziales und Integration und dem \u201eRunden Tisch Geburtshilfe\u201c in Auftrag gegebener Ma\u00dfnahmenplan ver\u00f6ffentlicht: \u201e<a href=\"https:\/\/sozialministerium.baden-wuerttemberg.de\/fileadmin\/redaktion\/m-sm\/intern\/downloads\/Downloads_Runder-Tisch-Geburtshilfe\/RTG_Massnahmenplan-OptiMedis_April-2019.pdf\">Verbesserung der Situation der Geburtshilfe in Baden-W\u00fcrttemberg<\/a>.<\/p>\n<p>Darin hei\u00dft es auf den Seiten 21, 22:<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Ma\u00dfnahmen ist getragen von den Gendanken, dass<\/p>\n<ol type=\"circle\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">&nbsp;<\/li>\n<\/ol>\n<ol type=\"circle\">\n<li>Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett prim\u00e4r physiologische Prozesse darstellen,<\/li>\n<li>sich die Versorgung an dem Gesundheitsnutzen der Frauen und Kinder ausrichtet,<\/li>\n<li>die besten Ergebnisse durch eine effektive interprofessionelle und sektoren\u00fcbergreifende Zusammenarbeit erzielt werden<\/li>\n<li>ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt werden sollte, die Situation derjenigen zu verbessern, die unter besonders vulnerablen Bedingungen schwanger sind und das h\u00f6chste Risiko f\u00fcr Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen tragen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Leitbild folgt damit den Teilzielen des Nationalen Gesundheitsziels Gesundheit rund um die Geburt, das auch vom Land Baden-W\u00fcrttemberg als Mitglied des Kooperationsverbunds gesundheitsziele.de mitgetragen wird.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem dort auf den Seiten 7,8:<br>\u201eAls Reaktion auf diese verschiedenen Entwicklungen wurden in den letzten Jahren in einer Reihe von Bundesl\u00e4ndern Runde Tische Geburtshilfe initiiert, um zu beraten, wie dieser Situation begegnet werden kann\u2026 Insbesondere die in den letzten 20 Jahren bis 2011 stetig steigende Kaiserschnittrate und die medizinisch oder demografisch nicht zu erkl\u00e4renden regionalen Unterschiede waren international und inzwischen auch hierzulande Anlass, einige Entwicklungen in der Geburtshilfe kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<p>So lag die Sectio-Rate in Deutschland in 2015 bei 32,2 % und damit deutlich \u00fcber denen z.B. der skandinavischen L\u00e4nder und den Niederlanden (16,4 % bis 21,4 %). Seitdem ist diese Rate leicht r\u00fcckl\u00e4ufig und es stellt sich die Frage, wie dieser positive Trend verstetigt werden kann.<\/p>\n<p>Die Erfolge der Geburtsmedizin in der Senkung der kindlichen und m\u00fctterlichen Mortalit\u00e4t und Morbidit\u00e4t sind unbestritten, gleichwohl gibt es Hinweise, dass die weiterhin hohe Rate an Interventionen mit einer Zunahme der Kosten, aber nicht immer mit verbesserten Outcomes einhergeht.<\/p>\n<p>Eine weitere Herausforderung ist die Fr\u00fchgeburtenrate. Sie liegt in Deutschland seit vielen Jahren mehr oder weniger unver\u00e4ndert bei rund 9 % und z\u00e4hlt damit im europ\u00e4ischen Vergleich mit zu den h\u00f6chsten Raten, hinter Zypern, Griechenland, Ungarn und Rum\u00e4nien.<\/p>\n<p>Die internationale Diskussion geht zunehmend der Frage nach, wie die Physiologie von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gest\u00e4rkt werden kann, was sich in einer Reihe aktueller Empfehlungen verschiedener namhafter Organisationen wiederspiegelt. Dass dies auch in Deutschland als ein gesundheitlich, gesellschaftlich und politisch relevantes Thema gesehen wird, zeigen die Arbeiten des Kooperationsverbunds gesundheitsziele.de, in dem sich mehr als 120 Organisationen des deutschen Gesundheitswesens aus Politik in Bund, L\u00e4ndern und Kommunen, Selbstverwaltungsorganisationen, Fachverb\u00e4nden, Patient*innen- und Selbsthilfeorganisationen sowie der Wissenschaft engagieren und sich zur Umsetzung der gesteckten Ziele in ihren Verantwortungsbereichen verpflichten.<\/p>\n<p>Der Kooperationsverbund benannte 2017 die \u201eGesundheit rund um die Geburt\u201c als neuntes Nationales Gesundheitsziel, zu dessen zentralen Punkten u.a. die F\u00f6rderung der gesunden Schwangerschaft und physiologischen Geburt z\u00e4hlen, ebenso wie die h\u00f6here Selbstbestimmung der M\u00fctter innerhalb des Versorgungsgeschehens und die St\u00e4rkung der Ressourcen und Potenziale der Frauen und ihrer Familien, die Fr\u00fcherkennung von Risiken und Entwicklungsbedarfen sowie die Verbesserung der Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen rund um die Geburt.\u201c<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Informationen:<br>https:\/\/sozialministerium.baden-wuerttemberg.de\/de\/gesundheit-pflege\/runder-tisch-geburtshilfe\/ <a href=\"https:\/\/hebammen-bw.de\/who-empfehlungen-fuer-gute-geburt\/\">https:\/\/hebammen-bw.de\/who-empfehlungen-fuer-gute-geburt\/<\/a><\/p>\n<p>Unterzeichnet von:<\/p>\n<p>Verena Anlauf&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zoe Mayer<br>Niko Riebel&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christine Grossmann<br>Benjamin Bauer&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jorinda Fahringer<br>Michael Borner<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sitzungskalender.karlsruhe.de\/db\/ratsinformation\/termin-5667\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unterlagen TOP 42, Gemeinderatssitzung 21. Juli 2020<\/a><\/p>\n\n\n<p>Der Antrag wurde am 3. M\u00e4rz 2021 im \u00f6ffentlichen Teil des Sozialausschusses behandelt und fand die mehrheitliche Zustimmung der Ausschussmitglieder. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Sitzung des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/sitzungskalender.karlsruhe.de\/db\/ratsinformation\/termin-9128#top6\" target=\"_blank\">Ausschusses f\u00fcr Umwelt und Gesundheit am 28. Januar 2023 <\/a>und in der Folge f\u00fcr die Sitzung des Sozialausschusses am 15. M\u00e4rz wird ein Positionspapier des Runden Tischs Geburtshilfe vorgelegt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antrag Die Verwaltung etabliert unter st\u00e4dtischer Leitung einen regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Runden Tisch \u201eSelbstbestimmte und m\u00f6glichst interventionsarme Geburt\u201c. 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