{"id":2320,"date":"2011-07-14T00:00:00","date_gmt":"2011-07-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/web6.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2011\/07\/gemeinsame-anfrage-mit-den-linken-versammlungsklima-in-der-stadt-des-rechts-karlsruhe-anfrage-sachverhalt-begruendung\/"},"modified":"2020-07-22T16:18:35","modified_gmt":"2020-07-22T14:18:35","slug":"gemeinsame-anfrage-mit-den-linken-versammlungsklima-in-der-stadt-des-rechts-karlsruhe-anfrage-sachverhalt-begruendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2011\/07\/gemeinsame-anfrage-mit-den-linken-versammlungsklima-in-der-stadt-des-rechts-karlsruhe-anfrage-sachverhalt-begruendung\/","title":{"rendered":"Versammlungsklima in der Stadt des Rechts Karlsruhe"},"content":{"rendered":"<h2><\/h2>\n<p><strong>Gemeinsame Anfrage mit den LINKEN :<\/strong><\/p>\n<h2>Anfrage:<\/h2>\n<ol type=\"1\">\n<li>Nach welchen Grunds\u00e4tzen und Beurteilungsma\u00dfst\u00e4ben nimmt die Stadt Karlsruhe Einfluss auf die Durchf\u00fchrung von Versammlungen; welche Entscheidungsspielr\u00e4ume bestehen und wie werden diese genutzt?<\/li>\n<li>In wiefern verfolgte die Stadtverwaltung die Entscheidung des VGH Baden-W\u00fcrttemberg (AZ:1 S2901\/10), in der es um die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von Auflagen bei Versammlungen ging? Wie begr\u00fcndet die Stadtverwaltung, dass anl\u00e4sslich der angemeldeten friedlichen Kundgebung von Atomkraftgegnern am 12. 2. auf dem Karlsru-her Marktplatz \u00e4hnlich strittige Auflagen gemacht wurden? Welche Konsequenzen zieht die Stadt Karlsruhe aus der Mannheimer Entscheidung?<\/li>\n<li>Hat sich die durchschnittliche Anzahl und die Art der Auflagen f\u00fcr Versammlungen unter freiem Himmel, die bei den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in Karlsruhe angemeldet wurden, seit 2006 ver\u00e4ndert, und wenn ja, wie und warum?<\/li>\n<li>Wie beurteilt die Stadt Karlsruhe die Beschwerden von AnmelderInnen von Versammlungen unter freiem Himmel \u00fcber eine deutliche Zunahme von Auflagen und welche Ma\u00dfnahmen wurden durch die Stadtverwaltung ergriffen, um Hemmschwellen zur Wahrnehmung des Grundrechtes auf Ver-sammlungsfreiheit abzubauen?<\/li>\n<li>Aus welchen Gr\u00fcnden verlangt die Stadtverwaltung bei der Anmeldung einer Kundgebung in der Regel ein Kooperationsgespr\u00e4ch, obwohl fr\u00fcher in der Regel eine schriftliche Anmeldung ausreichte?<\/li>\n<li>Inwiefern versucht die Stadtverwaltung bei Besprechungen mit AnmelderInnen von Versammlungen ein Klima auf Augenh\u00f6he (Gleichwertigkeit der Partner) zu erreichen und in welcher Form findet eine Evaluation statt?<\/li>\n<li>Wie beurteilt die Stadt Karlsruhe die Tatsache, dass das Verwaltungsgericht im letzten Jahr mehrfach anlassunabh\u00e4ngige Platzverweise, die bei Versammlungen in Karlsruhe durch Beamte der Landespolizei ausgesprochen wurden, f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt hat? (AZ 3 K 2326\/09, 3 K 2356\/09, 3 K 2444\/09; Urteile vom 28.06.2010)<\/li>\n<li>Ist der Stadt Karlsruhe bekannt bzw. gibt es Beschwerden dar\u00fcber, dass die Polizei oft eine ganze Versammlung entgegen \u00a7 19a in Verbindung mit \u00a7 12a des Versammlungsgesetzes und entgegen der st\u00e4ndigen Rechtsprechung (zuletzt VG Berlin, Urteil vom 05.07.2010 &#8211; AZ.: 1 K 905.09 mwN) ohne jeden Anlass abfilmt und falls ja: Wie beurteilt die Stadt Karlsruhe dieses Vorgehen?<\/li>\n<li>Hat die Stadt Karlsruhe Kenntnis davon, dass es f\u00fcr B\u00fcrgerinitiativen zunehmend schwieriger wird, OrdnerInnen und AnmelderInnen f\u00fcr Versammlungen zu finden? Wenn ja: Inwiefern k\u00f6nnte dies mit zunehmend umfang-reichen Auflagenverf\u00fcgungen zusammenh\u00e4ngen und was unternimmt die Stadt Karlsruhe, um dem entgegenzuwirken?<\/li>\n<li>Wie beurteilt die Stadt Karlsruhe, dass gegen Personen anl\u00e4sslich einer Protestaktion \u201eNachttanzblockade\u201c Bu\u00dfgeldverfahren wegen Versto\u00dfes gegen eine Allgemeinverf\u00fcgung eingeleitet wurden, obwohl eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Allgemeinver-f\u00fcgung (AZ 3 K 1817\/11) noch aussteht? Wie beurteilt die Stadt Karlsruhe im Nachhinein die Allgemeinverf\u00fcgung mit einem vollst\u00e4ndigen Versammlungsverbot \u00fcber 48 Stunden auf einem breiten Streifen quer durch Karlsruhe (incl. dem Bahnhofsvorplatz) in Hinblick auf ihre Einschr\u00e4nkungswirkung auf die Versammlungsfreiheit?<\/li>\n<li>Wie beurteilt die Stadt Karlsruhe die Tatsache, dass ca. 300 VersammlungsteilnehmerInnen in einem mit Bauz\u00e4unen und Polizeifahrzeugen ab-geriegelten Bereich auf einem Feld neben den Gleisen bei 1\u00b0 C von 1 bis 7 Uhr fr\u00fch in Gewahrsam genommen wurden, obwohl der Castor bereits ge-gen 3:30 Uhr die Versammlung passiert hatte?<\/li>\n<li>Gibt es \u00dcberlegungen, wie ein besseres Versammlungsklima in Karlsruhe zu erreichen ist und ist die Stadt bereit, die hierzu erforderlichen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen?<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Sachverhalt\/Begr\u00fcndung<\/h2>\n<p>Zu den Fragen 1 bis 9 \u2013 Versammlungsfreiheit:<\/p>\n<p>AnmelderInnen einer Versammlung erhalten h\u00e4ufig mehrseitige Auflagenverf\u00fcgungen von Seiten der Versammlungsbeh\u00f6rde, in der das Recht auf Versammlungsfreiheit auf vielf\u00e4ltige Weise reglementiert wird, obwohl die Aus\u00fcbung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit nach Artikel 8 des Grundgesetzes ein elementares Grundrecht ist, f\u00fcr das keine Genehmigung ben\u00f6tigt wird. Eine Versammlung muss lediglich angemeldet werden.<\/p>\n<p>Auflagen k\u00f6nnen nach \u00a7 15 des Versammlungsgesetzes nur dann gemacht werden, wenn konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung vorliegen. Es entstand nach Auffassung von JuristInnen der Eindruck, dass auch ohne das Vorliegen der Voraussetzungen des \u00a7 15 VersG standardm\u00e4\u00dfig f\u00fcr viele Versammlungen Auflagen verf\u00fcgt worden sind, die nur durch eine Vorwegnahme des von der fr\u00fcheren Landesregierung geplanten Landesversammlungsgesetzentwurfes m\u00f6glich w\u00e4ren. Dieser Entwurf ist fast wortgleich mit dem ersten Landesversammlungsgesetz in Bayern, welches aber aufgrund schwerer verfassungsrechtlicher Bedenken des BVerfG in seinem Beschluss am 17.02.2009, AZ: 1 BvR 2492\/08 bereits im Eilverfahren weitgehend wieder zur\u00fcckgenommen werden musste.<\/p>\n<p>Bei verschiedenen Anl\u00e4ssen, wie z.B. dem Protest gegen eine geplante Neo-Nazi-Aktion zu Ehren des Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess, bei einer Versammlung gegen den Karriere-Werbe-Truck der Bundeswehr, bei der Teilnahme an einem \u201eSch\u00fclerInnenstreik\u201c f\u00fcr bessere Bildungsm\u00f6glichkeit usw., sind in Karlsruhe Ma\u00dfnahmen ergriffen worden, die von den Betroffenen als nicht angemessen empfunden wurden.<\/p>\n<p>Bei der friedlichen Kundgebung am 12.2.2011 auf dem Karlsruher Marktplatz wurde eine Durchf\u00fchrung der Versammlung von einer Vielzahl von Auflagen abh\u00e4ngig gemacht, obwohl die Voraussetzung f\u00fcr diese Auflagen nicht vorlagen. Ein Gerichtsverfahren zur Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit dieser Auflagen ist anh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Zu den Fragen 10 und 11 \u2013 Bu\u00dfgeldbescheide nach der Nachttanzblockade:<\/p>\n<p>Im Rahmen der \u201eNachttanzblockade\u201c galt ein 48-Stunden-Versammlungsverbot in Teilen der Stadt; gegen 30 bis 40 Personen wurden Bu\u00dfgeldverfahren (mit Bu\u00dfgeld von 200 \u20ac) eingeleitet, zwei Personen bekamen sogar ein Bu\u00dfgeld wegen des Anbringens einer Wegbeschilderung mit Klebestreifen.<\/p>\n<p>In anderen baden-w\u00fcrttembergischen Gemeinden \u2013 zum Beispiel in Philippsburg, das sehr viel gr\u00f6\u00dfere Protestkundgebungen als Karlsruhe erlebte \u2013 fanden Proteste friedlich und demokratisch statt, ohne dass teilnehmende Menschen durch Bu\u00dfgeld-Drohungen oder verwirrende Auflagen abgeschreckt wurden. Durch die 2010 von der Bundesregierung durchgesetzte Verl\u00e4ngerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke wurde der Widerstand von B\u00fcrgerInnen gegen Castor-Transporte erheblich verst\u00e4rkt. So haben sich an der Nachttanzblockade Menschen aller Alters- und Berufsgruppen beteiligt.<\/p>\n<p>Die Ereignisse in Fukushima haben die Gefahren der Atomkraft auf dramatische Weise best\u00e4tigt. Als Konsequenz hat selbst die Bundesregierung ihre Position ge\u00e4ndert und die Laufzeitverl\u00e4ngerung zur\u00fcckgenommen. Dies macht deutlich, dass das Anliegen der DemonstrantInnen nicht nur gerechtfertigt, sondern auch von einer sehr breiten gesellschaftlichen Unterst\u00fctzung getragen war. Deshalb sind die AnfragestellerInnen der Meinung, dass nach dem im Bu\u00dfgeldverfahren geltenden Opportunit\u00e4tsprinzip die Bu\u00dfgeldbescheide zur\u00fcckgenommen werden sollten.<\/p>\n<p>Zur Frage 12 \u2013 Versammlungsfreundlichkeit:<\/p>\n<p>Ziel dieser Anfrage ist es, Klarheit \u00fcber die Rechtsgrundlage und \u00fcber die Form der Kooperation zwischen den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in Karlsruhe und den InitiatorInnen von Versammlungen unter freiem Himmel zu erlangen. Die UnterzeichnerInnen setzen sich f\u00fcr mehr Versammlungsfreundlichkeit in Karlsruhe ein und fordern die Stadtverwaltung auf, mit demokratischen und gewaltfreien Protestkundgebungen als Teil einer funktionierenden Demokratie konstruktiv umzugehen.<\/p>\n<p>Unterzeichnet von: Manfred Schubnell, Alexander Geiger, Bettina Lisbach f\u00fcr die GR\u00dcNE Gemeinderatsfraktion<\/p>\n<p>Niko Fostiropoulos, Sabine Z\u00fcrn f\u00fcr die Linken im Gemeinderat<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0920_22.pdf\"> Stellungnahme der Stadtverwaltung vom 20.09.2011<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsame Anfrage mit den LINKEN : Anfrage: Nach welchen Grunds\u00e4tzen und Beurteilungsma\u00dfst\u00e4ben nimmt die Stadt Karlsruhe Einfluss auf die Durchf\u00fchrung von Versammlungen; welche Entscheidungsspielr\u00e4ume bestehen und wie werden diese genutzt? [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":-1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[8],"tags":[13],"class_list":["post-2320","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anfragen","tag-demokratie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2320"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9522,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2320\/revisions\/9522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}