{"id":18527,"date":"2025-10-13T15:47:15","date_gmt":"2025-10-13T13:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/?p=18527"},"modified":"2025-10-13T15:50:30","modified_gmt":"2025-10-13T13:50:30","slug":"breaking-barriers-intersektionale-fuehrung-und-chancen-fuer-migrantinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2025\/10\/breaking-barriers-intersektionale-fuehrung-und-chancen-fuer-migrantinnen\/","title":{"rendered":"Breaking Barriers \u2013 Intersektionale F\u00fchrung und Chancen f\u00fcr Migrantinnen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gru\u00dfwort von Dr. Iris Sardarabady zum &#8222;Women of Impact Summit 2025&#8220; von SIMAMA &#8211; Steh auf e.V., am 11.10.25<\/h2>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Damen, liebe Frauen,<\/p>\n\n\n\n<p><br>ich freue mich sehr, heute bei Ihnen zu sein. Diese Veranstaltung ist eine wichtige Plattform, um die Erfahrungen und Lebensrealit\u00e4ten von Frauen mit internationaler Biographie sichtbar zu machen \u2013 und um sich auszutauschen, zu vernetzen und gegenseitig zu st\u00e4rken. Gerade in diesen herausfordernden Zeiten wird das immer wichtiger!<br>Als Fachsprecherin f\u00fcr Gleichstellungs-, Integrations- und Bildungspolitik der Gr\u00fcnen im Gemeinderat setze ich mich f\u00fcr die gleichberechtigte Teilhabe aller Karlsruher*innen ein \u2013 insbesondere in Bildung und Arbeit. Zentral sind f\u00fcr mich der Abbau von Diskriminierung und das Recht auf Selbstbestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Lassen Sie mich beginnen mit ein paar Worten zur Intersektionalen Gleichstellungspolitik<\/strong>.<br>Als Frauen verbindet uns alle die Erfahrung struktureller Benachteiligung in einer patriarchalischen Gesellschaft. Die Realit\u00e4t kennen wir: Frauen sind \u00fcberproportional von sexueller und h\u00e4uslicher Gewalt betroffen, arbeiten deutlich h\u00e4ufiger in Teilzeit \u2013, sind in F\u00fchrungspositionen unterrepr\u00e4sentiert und h\u00e4ufiger von Altersarmut bedroht. Diese geschlechtsspezifische Benachteiligung verst\u00e4rkt sich zus\u00e4tzlich durch weitere Diskriminierungsmerkmale: Religion, Behinderung, sexuelle Orientierung und Identit\u00e4t, Hautfarbe sowie Herkunft. Deshalb muss Gleichstellungspolitik intersektional ausgerichtet sein. Sie muss gezielt auf die Lebenslagen mehrfach diskriminierter Personen zugeschnitten sein und diese in politischen Ma\u00dfnahmen ber\u00fccksichtigen. Nur so k\u00f6nnen wir das Potenzial aller Frauen aussch\u00f6pfen und echte Chancengleichheit erreichen. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein Baustein f\u00fcr gesellschaftlichen Zusammenhalt.<br><br>An den beiden Themen <strong>Arbeitsmarkt und Gesundheitsversorgung<\/strong> m\u00f6chte ich nun die strukturelle Benachteiligung und m\u00f6gliche L\u00f6sungsans\u00e4tze skizzieren. Beim <strong>Zugang zum Arbeitsmarkt <\/strong>stehen Migrantinnen vor zahlreichen Herausforderungen: Sprachbarrieren, komplizierte Anerkennungsverfahren ausl\u00e4ndischer Abschl\u00fcsse, fehlende Informationen \u00fcber Unterst\u00fctzungsangebote, mangelnde Netzwerke, Diskriminierung bei Bewerbungen und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Geschlechterstereotype. Wichtig ist: Frauen mit internationaler Biographie sind keine homogene Gruppe, sondern heterogen und vielf\u00e4ltig. Bildungs- und Berufsqualifikation, Herkunftsland, Zuwanderungsgrund und Aufenthaltsstatus bestimmen ma\u00dfgeblich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Besonders gro\u00df sind die Herausforderungen f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen. Das zeigt sich in der deutlich niedrigeren Erwerbsbeteiligung: Von den 2015 nach Deutschland gekommenen Gefl\u00fcchteten waren 2022 nur 35 % der Frauen erwerbst\u00e4tig \u2013 im Vergleich zu 76 % der gefl\u00fcchteten M\u00e4nner.<br><br>Diese unterschiedlichen Ausgangslagen erfordern unterschiedliche L\u00f6sungen. Politik muss vielf\u00e4ltige, passgenaue Angebote bereitstellen: dazu geh\u00f6ren vereinfachte und beschleunigte Anerkennungsverfahren, anonymisierte Bewerbungsverfahren, Diversity-Programme und die St\u00e4rkung von Beratungsangeboten mit interkultureller Kompetenz. Zentral ist auch Empowerment durch Mentoring, Coaching und Vernetzung.<br>Baden-W\u00fcrttemberg ist hier auf einem guten Weg: Die Landesregierung f\u00f6rdert aktuell 20 lokale Empowerment-Projekte und unterst\u00fctzt ab M\u00e4rz 2026 ein neues Mentorinnen-Programm f\u00fcr Migrantinnen.<br>Eine Teilnehmerin ermutigt auf dem Programmflyer: \u201eHabt Mut, eure Ziele zu verfolgen, und sucht aktiv nach Unterst\u00fctzung! Vertraut auf eure F\u00e4higkeiten und bleibt offen f\u00fcr neue Erfahrungen.&#8220;<br>Die Integration in den Arbeitsmarkt ist nicht nur f\u00fcr die soziale Integration entscheidend, sondern auch f\u00fcr die pers\u00f6nliche Selbstverwirklichung.<br><br><strong>Kurz m\u00f6chte ich noch das Thema Gesundheitsversorgung ansprechen<\/strong>. Hier m\u00f6chte ich ein konkretes Beispiel herausgreifen: weibliche Genitalverst\u00fcmmelung. Sie ist eine schwere Menschenrechtsverletzung, mit lebenslangen physischen und psychischen Folgen. In Baden-W\u00fcrttemberg sind Sch\u00e4tzungen zufolge ca. 11.000 M\u00e4dchen und Frauen davon betroffen und mehr als 1500 M\u00e4dchen davon bedroht.<br>Lange wurde diese Zielgruppe in der Gesundheitsversorgung, trotz steigender Zahlen (in D. seit 2017 um 40%!), kaum beachtet. 2023 war dann in Baden-W\u00fcrttemberg die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle in G\u00f6ppingen ein Meilenstein im Einsatz gegen FGM C. Sie wird von der Landesregierung gef\u00f6rdert und von einem vielf\u00e4ltigen Tr\u00e4gerteam koordiniert.<br><br>Auch in Karlsruhe war weibliche Genitalverst\u00fcmmelung weder bei der Pr\u00e4vention noch bei der Beratung ein Thema. 2021 forderten wir im Gemeinderat mehr Aufkl\u00e4rung sowie pr\u00e4ventive und beratende Ma\u00dfnahmen. Fachkr\u00e4fte, Beratende und Betroffene sollten sensibilisiert, informiert und in ihrer Handlungskompetenz gest\u00e4rkt werden. Nach gemeinsamen Kraftanstrengungen, viel Hartn\u00e4ckigkeit und mit Unterst\u00fctzung des Gleichstellungsb\u00fcros haben wir nun einen ersten Erfolg: Im Herbst wird die lang erhoffte medizinische Sprechstunde am Klinikum eingerichtet!<br><br>Echte Gleichstellung bedeutet Selbstbestimmung. Es bedeutet, dass jede Frau \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft \u2013 die Freiheit hat, ihre Lebensentw\u00fcrfe selbst zu gestalten. Dass sie ihre Optionen kennt und nutzen kann. Politik muss die Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen: Zugang zu Bildung, zu qualifizierter Arbeit und zu umfassender Gesundheitsversorgung.<br><br>Liebe Frauen, Ihre Organisation leistet wichtige Arbeit f\u00fcr diese Ziele. Sie schaffen R\u00e4ume der Selbstorganisation, des Empowerments und der gegenseitigen Unterst\u00fctzung. Das ist nicht nur f\u00fcr Sie wichtig, sondern f\u00fcr unsere ganze Stadtgesellschaft. Denn eine Gesellschaft, die das Potenzial aller ihrer Mitglieder voll aussch\u00f6pft, ist nicht nur gerechter, sondern auch erfolgreicher, vielf\u00e4ltiger und lebenswerter.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass echte Chancengleichheit f\u00fcr alle Frauen in Karlsruhe Realit\u00e4t wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank!<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gru\u00dfwort von Dr. Iris Sardarabady zum &#8222;Women of Impact Summit 2025&#8220; von SIMAMA &#8211; Steh auf e.V., am 11.10.25 Sehr geehrte Damen, liebe Frauen, ich freue mich sehr, heute bei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":-1,"featured_media":18268,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[10],"tags":[16,29,41],"class_list":["post-18527","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reden","tag-arbeitsmarkt-foerderung","tag-frauenpolitik-gleichstellung","tag-migrantinnen-integration"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18527"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18527\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18530,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18527\/revisions\/18530"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}