{"id":17490,"date":"2025-01-22T12:23:59","date_gmt":"2025-01-22T11:23:59","guid":{"rendered":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/?p=17490"},"modified":"2025-07-28T12:03:43","modified_gmt":"2025-07-28T10:03:43","slug":"kommunale-aufarbeitung-der-kinderverschickung-in-karlsruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2025\/01\/kommunale-aufarbeitung-der-kinderverschickung-in-karlsruhe\/","title":{"rendered":"Kommunale Aufarbeitung der Kinderverschickung in Karlsruhe"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Antrag zur Vorberatung im Fachausschuss<br><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Stadt beauftragt eine Studie zur Aufarbeitung der Kinderverschickung von 1945 bis in die 1980er Jahre in Karlsruhe. Dabei soll sowohl die Verantwortung der Stadtverwaltung als Tr\u00e4gerin des Kindersolbads Donaueschingen, als auch die gemeinsame Verantwortung Karlsruher Institutionen f\u00fcr die Verschickung von Kindern aus Karlsruhe in Erholungsheime freier Tr\u00e4ger in den Blick genommen werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Bei der Durchf\u00fchrung der Studie werden folgende Aspekte ber\u00fccksichtigt:<br>Die Studie soll<ul><li>auf der Grundlage schon vorliegender wissenschaftlicher Aufarbeitungsstudien erfolgen und gegebenenfalls Vorarbeit leisten f\u00fcr eine umfassende kommunale wissenschaftliche Aufarbeitungsstudie, in der auch Betroffene interviewt werden.<\/li><\/ul><ul><li>einen \u00dcberblick geben \u00fcber<ul><li>Karlsruher Tr\u00e4ger von Kindererholungsheimen,<\/li><\/ul><ul><li>relevante institutionelle Akteur*innen (wie Sozialamt, Gesundheitsamt, Jugendamt, freie Tr\u00e4ger, Gesundheitswesen, Rentenversicherung) als Verantwortliche f\u00fcr Verordnung, Finanzierung, Transport, Betriebs-\/Aufsicht,<\/li><\/ul><ul><li>Praktiken (wie Auswahl der Kinder, Verschickung, Umgang mit Beschwerden) sowie<\/li><\/ul><ul><li>Kommunikations- und Vernetzungsstrukturen (z. B. im Rahmen von kommunalen Aussch\u00fcssen und institutionellen Besprechungen).&nbsp;<\/li><\/ul><\/li><\/ul><ul><li>Hinweise geben auf Macht- und Gewaltverh\u00e4ltnisse bei den beteiligten Akteur*innen sowie f\u00fcr Ans\u00e4tze zur St\u00e4rkung der Pr\u00e4vention von und Intervention bei institutionellem Machtmissbrauch.<\/li><\/ul><ul><li>einen Beitrag leisten zur W\u00fcrdigung und Anerkennung des geschehenen Unrechts.<\/li><\/ul>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>mit der Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse eine Empfehlung geben, ob und zu welchen Fragestellungen eine wissenschaftliche Aufarbeitung unter Beteiligung von Betroffenen und mit Hilfe von Betroffenen-Interviews durchgef\u00fchrt werden sollte.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Begr\u00fcndung\/Sachverhalt<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Mehrere wissenschaftliche Publikationen und journalistische Berichterstattungen in den Medien weisen nach, dass unz\u00e4hligen Kindern \u00fcber Generationen seelische, k\u00f6rperliche und sexualisierte Gewalt in Kindererholungsheimen angetan wurde. Dabei ist deutlich geworden, dass an der Organisation dieser Kinderverschickungen bzw. Kinderkuren zahlreiche gesellschaftliche Akteur*innen beteiligt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr B\u00fcrger*innen, die damals als Karlsruher Kinder in eins der Karlsruher Heime verschickt wurden und die dort leidvolle Erfahrungen machen mussten, soll es eine M\u00f6glichkeit der (biographischen) Aufarbeitung geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft haben die \u00fcber Jahrzehnte andauernde Sprachlosigkeit und Verdr\u00e4ngung von erlittenen Dem\u00fctigungen als Kind Auswirkungen auf die seelische und k\u00f6rperliche Gesundheit bis ins Alter. F\u00fcr viele Betroffene kann es befreiend sein, zu sehen, dass sie sich die Ereignisse nicht eingebildet haben, sie damals nicht die Einzigen waren und zu erleben, dass ihr erlittenes Unrecht nicht weiter verharmlost wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem soll ein Gesamtbild der Kinderverschickung aus kommunaler Sicht gewonnen werden. Dabei darf es nicht nur um ein einzelnes Heim gehen. Gleicherma\u00dfen m\u00fcssen die strukturellen Verankerungen und die institutionellen Verantwortlichkeiten der Kinderverschickung aufgezeigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erforschung der Praktiken der Kinderverschickung in Baden-W\u00fcrttemberg beauftragte und finanzierte die Landesregierung das Landesarchiv Baden-W\u00fcrttemberg, ein zweij\u00e4hriges Aufarbeitungsprojekt durchzuf\u00fchren. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2024 auf einer Abschlussveranstaltung und in einem Abschlussbericht ver\u00f6ffentlicht (Keitel, C., Keunecke, C. &amp; Weiler, J. (Hrsg.). (2024). <em>Freude und Erholung? Kinderverschickung in Baden-W\u00fcrttemberg 1949-1980<\/em>. Landesarchiv Baden-W\u00fcrttemberg). Des Weiteren liefen bzw. laufen in Baden-W\u00fcrttemberg einige Studien von ehemaligen Tr\u00e4gern von Kinderkureinrichtungen. So l\u00e4sst das Diakonische Werk W\u00fcrttemberg aktuell seine eigenen Einrichtungen wissenschaftlich untersuchen. Eine Studie mit kommunalem Fokus steht noch aus und w\u00fcrde sich sehr gut eignen, um das Beziehungs- und Organisationsgeflecht der verschiedenen gesellschaftlichen Akteur*innen an dem konkreten Beispiel einer Stadt herauszuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Betroffenen, die sich auch an die gr\u00fcne Fraktion wandten, wird eine Aufarbeitung aus kommunaler (Tr\u00e4ger-)Verantwortung gefordert. Sie berichten \u00fcber dem\u00fctigende Praktiken w\u00e4hrend ihres Aufenthalts im 1982 geschlossenen Karlsruher Kindersolbad Donaueschingen. Dem Stadtarchiv Karlsruhe liegt ein Beschwerdebrief einer Mutter aus dem Jahr 1977 vor. Karlsruher Kinder, so die Informationen von weiteren Betroffenen, erlitten auch in anderen Kindererholungsheime freier Tr\u00e4ger gro\u00dfes Leid. F\u00fcr die Verordnung, Finanzierung und Transporte waren unterschiedliche Institutionen verantwortlich. Interessant w\u00e4re, wie mit Beschwerden oder m\u00f6glicherweise aktenkundigen Missst\u00e4nden umgegangen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittels einer Studie, die auf der Recherche von Dokumenten, Protokollen sowie auf Gespr\u00e4chen mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen aus institutionellen Kontexten beruht, k\u00f6nnen die oben genannten Fragen mit einem \u00fcberschaubaren Aufwand beantwortet werden. Aus den Ergebnissen kann abgeleitet werden, ob und in welcher Form eine wissenschaftliche Aufarbeitungsstudie mittels Interviews mit Betroffenen sinnvoll ist. So k\u00f6nnen Belastungen f\u00fcr die Betroffenen vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterzeichnet von:<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Susanne Heynen, Verena Anlauf, Benjamin Bauer, Jorinda Fahringer<br>Ceren Akbaba, Leonie Wolf, Dr. Clemens Cremer, Dr. Iris Sardabady<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erhielten auf unseren Antrag eine au\u00dferordentlich hohe \u00f6ffentliche Resonanz: Die BNN ver\u00f6ffentlichte mehrere Beitr\u00e4ge mit Berichten von Betroffenen. Eine gr\u00fcne Veranstaltung zum Thema wurde von ca. 50 Personen besucht und bis jetzt erreichen uns Nachrichten mit bedr\u00fcckenden Schilderungen, insbesondere \u00fcber das erlittene Unrecht im Karlsruher Heim in Donaueschingen.<br>Beim<a href=\"https:\/\/sitzungskalender.karlsruhe.de\/db\/ratsinformation\/termin-10123#top9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Kulturausschuss am  25. Juli 2025<\/a> wurde uns detailliert dargestellt, dass die von uns beantragte Studie notwendig ist, aktuell daf\u00fcr jedoch keine st\u00e4dtischen Mittel zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden. Wir unterst\u00fctzen die Aktivit\u00e4t des Stadtarchives, in Kooperation mit hiesigen Hochschulen eine wissenschaftliche Aufarbeitung anzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antrag zur Vorberatung im Fachausschuss Begr\u00fcndung\/Sachverhalt Mehrere wissenschaftliche Publikationen und journalistische Berichterstattungen in den Medien weisen nach, dass unz\u00e4hligen Kindern \u00fcber Generationen seelische, k\u00f6rperliche und sexualisierte Gewalt in Kindererholungsheimen angetan [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":-1,"featured_media":17492,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[7],"tags":[23,34,51],"class_list":["post-17490","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antraege","tag-erinnerungskultur","tag-kinder-jugend","tag-soziales"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17490"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18184,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17490\/revisions\/18184"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}