{"id":15456,"date":"2023-06-12T10:58:28","date_gmt":"2023-06-12T08:58:28","guid":{"rendered":"https:\/\/web6.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/?p=15456"},"modified":"2025-03-03T18:40:26","modified_gmt":"2025-03-03T17:40:26","slug":"eine-reise-der-ambivalenten-klaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2023\/06\/eine-reise-der-ambivalenten-klaenge\/","title":{"rendered":"Eine Reise der ambivalenten Kl\u00e4nge"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Bericht von der Delegationsreise nach Winnyzja (Ukraine)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Winnyzja in der Ukraine ist seit April 2023 die Partnerstadt von Karlsruhe. Nachdem eine Delegation aus Winnyzja unter Leitung des dortigen Oberb\u00fcrgermeisters Serhii Morhunov im Fr\u00fchjahr nach Karlsruhe kam, um die St\u00e4dtepartnerschaft zu besiegeln, hat sich Mitte Mai eine Karlsruher Delegation auf den Weg nach Winnyzja gemacht. Neben der erneuten Unterzeichnung der st\u00e4dtepartnerschaftlichen Vereinbarung war die Reise vor allem auch ein Zeichen der Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber des neuen St\u00e4dtepartners, \u00a0in der aktuellen Situation des russischen Angriffskrieges. Unser Stadtrat Benjamin Bauer war Teil der Delegation. Er berichtet auf der Pressekonferenz der Stadt zu der Delegationsreise von seinen Erfahrungen und Eindr\u00fccken dieses besonderen Aufenthalts.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Pressekonferenz zur Delegationsreise nach Winnyzja, Ukraine: Redebeitrag von Stadtrat Benjamin Bauer\" width=\"876\" height=\"493\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/U4F8nBw8Opk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Delegationsreise in unsere neue Partnerstadt Winnyzja, etwa 200 Kilometer s\u00fcdwestlich der Hauptstadt Kyiw, war f\u00fcr alle Beteiligten eine v\u00f6llig neue, sehr bewegende und inspirierende Erfahrung. Sie war zugleich eine Reise der ambivalenten Kl\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dr\u00f6hnendste, allgegenw\u00e4rtigste und eindringlichste Ger\u00e4usch, das uns auf unserem Weg durch die Stadt verfolgte, war das des russischen Angriffskrieges, der nunmehr seit \u00fcber 470 Tagen in der Ukraine w\u00fctet. Winnyzja liegt fernab der Frontgefechte und dennoch ist der Kriegszustand in jedem Moment sp\u00fcrbar. Das schrille Heulen der Sirenen vom Dach des nahegelegenen Rathauses in der ersten Nacht, die hektische Suche nach dem Schutzraum im Keller des Hotels und das gemeinsame stundenlange Ausharren bis zur Entwarnung waren sicher einige der eindr\u00fccklichsten Erfahrungen unseres Aufenthaltes. Man konnte ansatzweise ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr erlangen, wie der Raketenterror Russlands gegen die ukrainische Zivilbev\u00f6lkerung auch weit im Landesinnern den Alltag der Menschen bestimmt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gefahr des konstanten Raketenbeschusses ist in Winnyzja dank des Einsatzes westlicher Luftverteidigungssysteme mittlerweile eine deutlich geringere. Dennoch durften wir, begleitet von ukrainischem Milit\u00e4r, einen Ort inmitten der Stadt besuchen, dessen erdr\u00fcckende Stille uns die unmittelbaren Auswirkungen des Krieges auf die Menschen in Winnyzja verdeutlichte. Dort sahen wir die Tr\u00fcmmer eines ehemals gut besuchten Kulturzentrums, die zerborstenen Scheiben einer medizinischen Versorgungseinrichtung, den Einschlagskrater einer Rakete auf einem gesch\u00e4ftigen Platz und die schweren Sch\u00e4den an den Geb\u00e4uden in weitem Umfeld. Im Juli des vergangenen Jahres wurden an diesem Ort mindestens 20 Menschen bei dem russischen Angriff mitten in das Herz der lebendigen Metropole get\u00f6tet, darunter drei Kinder, deren Bilder um die Welt gingen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4u\u00dferst bewegend war es auch, an verschiedenen Stellen den tiefen Schmerz und die gewaltige Wut der Ukrainer*innen \u00fcber die Folgen des Krieges zu h\u00f6ren. Am Gedenkort f\u00fcr die Gefallenen im Zentrum der Stadt, wo wir gemeinsam mit unseren Gemeinderatskolleg*innen aus Winnyzja Blumen niederlegten, war all dies besonders sp\u00fcrbar. Auf einem Display werden Namen, Geburtsdaten und Fotos der Soldat*innen gezeigt, die bei der Verteidigung ihres Landes ihr Leben verloren haben. Nahezu t\u00e4glich kommen neue hinzu, viele von ihnen kaum \u00e4lter als Zwanzig.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch sind es die wom\u00f6glich widerspr\u00fcchlich anmutenden Erfahrungen, die von unserer Reise den gr\u00f6\u00dften Nachklang haben werden: die inspirierende Resilienz und der Tatendrang der Menschen in Winnyzja, die beeindruckende Offenheit und die Gastfreundschaft, die uns zu jedem Zeitpunkt zuteil wurden. In vielen Gespr\u00e4chen und Begegnungen durften wir den nahezu ungebremsten Gestaltungswillen der Ukrainer*innen f\u00fcr die gemeinsame St\u00e4dtepartnerschaft erleben. Von zwei \u00e4lteren Frauen, welche bei einem Rundgang durch einen st\u00e4dtischen Park \u00fcberraschend auf die beiden Oberb\u00fcrgermeister zust\u00fcrmten und trotz Sprachbarriere in r\u00fchrender Weise ihrer Dankbarkeit \u00fcber den Besuch aus Deutschland Geh\u00f6r verschafften, bekamen wir die gro\u00dfe Herzlichkeit der Zivilbev\u00f6lkerung zu sp\u00fcren. Die vielen ausgelassenen, im Park spielenden Kinder, junge Erwachsene, die am Abend durch die Stra\u00dfen zogen und ein Jugendlicher mit E-Gitarre, der den Platz vor dem bekannten Wasserturm mit einem St\u00fcck von AC\/DC beschallte, offenbarten das bl\u00fchende Leben in Winnyzja, dem die Schwere des Krieges in diesen Momenten merkw\u00fcrdig fremd zu sein schien.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch letztlich ist es genau dieses Zusammenspiel der sich kontrastierenden Eindr\u00fccke, der ambivalent anmutenden Kl\u00e4nge, die ein umfassenderes Gef\u00fchl daf\u00fcr vermitteln, was es ist, wof\u00fcr die Ukrainer*innen in diesem Krieg k\u00e4mpfen, wof\u00fcr sie so gro\u00dfe Verluste erleiden und was ihnen tagt\u00e4glich abverlangt wird. Die Verteidigung all dessen, was am \u00f6ffentlichen Leben der Menschen in Winnyzja und anderen St\u00e4dten so lebendig und erhaltenswert ist, geschieht eben nicht ausschlie\u00dflich mit Waffengewalt, sondern dr\u00fcckt sich in einer zutiefst inspirierenden Haltung innerer Wehrhaftigkeit aus. Die aus Karlsruhe gelieferten W\u00e4rmeinseln, in denen im vergangenen Jahr zehntausende B\u00fcrger*innen der Stadt den Angriffen auf ihre W\u00e4rme- und Stromversorgung und der K\u00e4lte des Winters trotzten, haben die Ukrainer*innen \u201e\u043f\u0443\u043d\u043a\u0442\u0438 \u043d\u0435\u0437\u043b\u0430\u043c\u043d\u043e\u0441\u0442\u0456\u201d \u2013 \u201eOrte der Unbesiegbarkeit\u201d getauft. Die Menschen in Winnyzja lassen sich nicht jeden Moment ihres \u00f6ffentlichen Lebens vom russischen Angriffskrieg diktieren und begegnen der zerst\u00f6rerischen Wut, indem sie ihre Stadt weiter gestalten, neue Partnerschaften eingehen und beeindruckende Solidarit\u00e4t mit ihren Mitmenschen in den Frontgebieten beweisen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die vielf\u00e4ltigen Eindr\u00fccke dieser ungew\u00f6hnlichen Delegationsreise geben nun den Takt f\u00fcr die Ausgestaltung der jungen St\u00e4dtepartnerschaft zwischen Karlsruhe und Winnyzja vor. W\u00e4hrend die humanit\u00e4re Unterst\u00fctzung seitens der Karlsruher Stadtgesellschaft auf Hochtouren weiterl\u00e4uft, ist bereits ein Austausch von Studierenden, eine Kooperation zwischen den st\u00e4dtischen Kliniken sowie den Hochschulen in Vorbereitung. Viele weitere Projekte werden folgen. Die Verbundenheit zu den Verantwortlichen in Winnyzja dr\u00fcckt sich auch durch die vielen Herausforderungen aus, vor die beide St\u00e4dte &nbsp;gemeinsam gestellt sind: Eine moderne Stadtplanung mit neuen Verkehrskonzepten, digitale Formen der B\u00fcrger*innenbeteiligung und die Transformation des gesamten \u00f6ffentlichen Lebens hin zur Klimaneutralit\u00e4t. Der gegenseitige Besuch st\u00e4dtischer Delegationen war, verbunden mit der Unterzeichnung des St\u00e4dtepartnerschaftsvertrages, nur der Auftakt f\u00fcr eine Freundschaft, die es nun mit Leben zu f\u00fcllen gilt und sich hoffentlich sehr bald in Frieden entfalten kann.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht von der Delegationsreise nach Winnyzja (Ukraine) Winnyzja in der Ukraine ist seit April 2023 die Partnerstadt von Karlsruhe. 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