{"id":12102,"date":"2021-05-06T11:21:42","date_gmt":"2021-05-06T09:21:42","guid":{"rendered":"https:\/\/web6.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/?p=12102"},"modified":"2025-03-03T16:34:49","modified_gmt":"2025-03-03T15:34:49","slug":"unterstuetzung-der-24-stunden-betreuungskraefte-runder-tisch-und-kurzfristige-massnahmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/web4.karlsruhe.de\/Gemeinderat\/Gruene\/2021\/05\/unterstuetzung-der-24-stunden-betreuungskraefte-runder-tisch-und-kurzfristige-massnahmen\/","title":{"rendered":"Unterst\u00fctzung der \u201e24-Stunden-Betreuungskr\u00e4fte\u201c: Runder Tisch und kurzfristige Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Antrag \u2013 zur \u00f6ffentlichen Vorberatung im Sozialausschuss:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Die Stadtverwaltung richtet einen Runden Tisch \u201eNetzwerk 24-Stunden-Betreuungskr\u00e4fte\u201c ein und erarbeitet ein Konzept, um illegale Arbeitsbedingungen in diesem Bereich zu verhindern.<br><br>F\u00fcr die Teilnahme am Runden Tisch werden Vertreter*innen des Landkreises, der Wohlfahrtsverb\u00e4nde, des Pflegest\u00fctzpunkts, des B\u00fcros f\u00fcr Gleichstellung, des B\u00fcros f\u00fcr Integration sowie Expert*innen f\u00fcr das Thema von IN VIA Cosmobile Haushaltshilfen, der Bahnhofsmission, des DGB, des Medinetzes, des Jobcenters\/der Arbeitsagentur, des ibz, sowie interessierte Stadtr\u00e4t*innen eingeladen. Auch entsprechend versierte Jurist*innen sollten angesichts der schwierigen Rechtsgebiete hinzugezogen werden.<br>Die Teilnehmer*innen erstellen L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge und berichten anschlie\u00dfend im Sozialausschuss.<\/li><li>Parallel dazu pr\u00fcft die Stadtverwaltung, ob kurzfristige Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung des Projekts Cosmobile Haushaltshilfen von IN VIA, wie z.B. der Aufbau einer Kontakt- und Anlaufst\u00e4tte am Busbahnhof Karlsruhe, m\u00f6glich sind.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>Begr\u00fcndung\/Sachverhalt<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein \u201eNetzwerk 24-Stunden-Betreuungskr\u00e4fte\u201c und eine Kontaktstelle \u201eFaire Pflege\u201c sind \u00fcberf\u00e4llig. Es geht um faire Arbeitsbedingungen und damit um die Sicherheit und Gesundheit von (meist) Frauen aus Osteuropa, die Karlsruher Senior*innen betreuen und pflegen. Diese hier besch\u00e4ftigten Menschen sorgen daf\u00fcr, die jetzt schon bestehenden Defizite im Pflegebereich abzumildern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Teil der Betreuungskr\u00e4fte ist zu arbeitsrechtlich unbedenklichen Bedingungen angestellt, erh\u00e4lt ausreichend Freizeit und ist gut untergebracht. Bei einem gro\u00dfen Anteil ist dies nicht der Fall; ein Fakt, der schon lange bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hauptproblem ist die gesetzeswidrige Arbeitszeit fast rund um die Uhr, also die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit der Besch\u00e4ftigten. Selbst bei einer wohlwollenden Berechnung ergibt sich dadurch im Durchschnitt ein sittenwidriger Lohn von 2-3 Euro pro Stunde. Der christliche Gesellschaftsethiker, Prof. Dr. Bernhard Emunds, kommt in seinen sozialethischen und rechtlichen Betrachtungen<sup>1<\/sup> zum Ergebnis, dass es sich hier um einen rechtsfreien Raum menschenunw\u00fcrdiger Arbeits- und Lebensbedingungen handelt (\u201eMenschenunw\u00fcrdige Pflegearbeit in deutschen Privathaushalten\u201c). Viele der Betreuungskr\u00e4fte sprechen nur schlecht Deutsch und sind von der Arbeit im fremden Land und der Wohnm\u00f6glichkeit bei den Arbeitgeber*innen abh\u00e4ngig. Schlechte Wohnbedingungen, viel zu lange Arbeitszeiten, keine Gesundheitsversorgung, Gewalt und sexuelle \u00dcbergriffe sind nicht selten. In dieser Situation sind die Besch\u00e4ftigten meist ungesch\u00fctzt und isoliert. Weder die Arbeitsbedingungen noch die vermittelnden Agenturen werden kontrolliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Sozialverb\u00e4nde und Gewerkschaften mahnen, dass in vielen F\u00e4llen \u00fcber Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung gesprochen werden muss. Zunehmend werden illegal Besch\u00e4ftigte aus der Ukraine oder aus Georgien eingestellt, die besonders wehrlos sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass die Betreuungskr\u00e4fte in den einzelnen Haushalten kaum erreichbar sind. Landarbeiter*innen oder Bauarbeiter k\u00f6nnen im Betrieb oder in der Unterkunft aufgesucht und mit mehrsprachigem Info-Material versorgt werden. Umso wichtiger ist es, dass der Kontakt m\u00f6glichst schon am Bahnhof bei Ankunft der Busse, in denen die Betreuungskr\u00e4fte in der Regel anreisen, hergestellt wird. Die Situation hat sich in der Pandemie zugespitzt, da die Gesundheitsversorgung und damit auch die Impfberechtigung der Betreuungskr\u00e4fte h\u00e4ufig ungekl\u00e4rt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Runder Tisch \u201eNetzwerk 24-Stunden-Betreuungskr\u00e4fte\u201c soll den Austausch \u00fcber das Thema ansto\u00dfen. Mit den Beteiligten soll ein Konzept erarbeitet werden, um illegale Arbeitsbedingungen zu unterbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel zum Runden Tisch \u2013 auch um schnell zu handeln \u2013 sollten Schritte in Richtung einer Kontaktstelle \u201eFaire Pflege\u201c gegangen werden.<br>IN VIA Karlsruhe (Katholischer Verband f\u00fcr M\u00e4dchen- und Frauensozialarbeit) hatte bereits beim letzten Haushalt die Unterst\u00fctzung zum Aufbau einer solchen Kontaktstelle beantragt. Fachlich wurde dieser Antrag von der Sozial- und Jugendbeh\u00f6rde bef\u00fcrwortet und der Bedarf anerkannt. Die Kontaktstelle soll dazu dienen, Aufkl\u00e4rung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu betreiben und die Betreuungskr\u00e4fte aus der Isolation holen. Schon bestehende Bausteine von<br>IN VIA Frauentreff KA und dem Projekt CoHa<sup>2 <\/sup>(Cosmobile Haushaltshilfen),&nbsp;die bereits seit acht Jahren von IN VIA finanziert werden, k\u00f6nnten dabei zusammengef\u00fchrt und ausgeweitet werden. Eine solche Kontaktstelle \u201eFaire Pflege\u201c w\u00fcrde voraussichtlich eine halbe Stelle ben\u00f6tigen. Sie sollte mit einer Person mit muttersprachlichen Kenntnissen aus der osteurop\u00e4ischen Sprachfamilie besetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Da der Hauptbahnhof der zentrale Ankn\u00fcpfungsort f\u00fcr die dort ankommenden Betreuungskr\u00e4fte ist, regen wir die Einrichtung eines Containers f\u00fcr eine solche Kontaktstelle \u201eFaire Pflege\u201c am neuen Busbahnhof an.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinnvoll w\u00e4re die Zusammenarbeit des \u201eNetzwerk 24-Stunden-Betreuungskr\u00e4fte\u201c und einer m\u00f6glichen Kontaktstelle \u201eFaire Pflege\u201c.<br>Diese soll dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen f\u00fcr die Betreuungskr\u00e4fte zu verbessern. Auch die Angeh\u00f6rigen der zu betreuenden Senior*innen sollten durch entsprechende \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Beratungsangebote einbezogen werden und von diesem Vorhaben profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterzeichnet von:<\/p>\n\n\n\n<p>Verena Anlauf, Michael Borner, Niko Riebel, Benjamin Bauer,<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Iris Sardarabady, Christine Weber, Aljoscha L\u00f6ffler, Zoe Mayer<\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><sup>1<\/sup>Beitrag von Prof. Bernhard Emunds f\u00fcr Forschungsprojekt \u201eAusl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte in Privathaushalten\u201c:<br>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/pdf_fof\/99891.pdf\">https:\/\/www.boeckler.de\/pdf_fof\/99891.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><sup>2<\/sup>Brosch\u00fcre mit Bericht von&nbsp; IN VIA zu Cosmobile Haushaltshilfen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.bahnhofsmission-karlsruhe.de\/files\/FUNDUS\/CoHA\/Transferbroschuere.pdf\">http:\/\/www.bahnhofsmission-karlsruhe.de\/files\/FUNDUS\/CoHA\/Transferbroschuere.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Seite der Bahnhofsmission zum Projekt&nbsp; Cosmobile Haushaltshilfen (COHA)<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.bahnhofsmission-karlsruhe.de\/index.php\/das-projekt.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.bahnhofsmission-karlsruhe.de\/index.php\/das-projekt.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinderatssitzung am 22.06.21: Der Antrag wird im Fr\u00fchjahr 2022 \u00f6ffentlich im Sozialausschuss beraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antrag \u2013 zur \u00f6ffentlichen Vorberatung im Sozialausschuss: Die Stadtverwaltung richtet einen Runden Tisch \u201eNetzwerk 24-Stunden-Betreuungskr\u00e4fte\u201c ein und erarbeitet ein Konzept, um illegale Arbeitsbedingungen in diesem Bereich zu verhindern. 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